“Wir stehen jetzt auf dem Berg und springen hinunter„, sagt Thomas Worms von der Internationalen Bauaustellung Fürst-Pückler-Land: “Wir können nur hoffen, dass uns unterwegs Flügel wachsen.„ Die Runde im Konferenzsaal der Stadtverwaltung Leknica (Lugknitz) lacht. Am Tisch sitzen Fachleute aus Verwaltung und Wissenschaft, die sich für den Geopark Muskauer Faltenbogen engagieren. Bei einem Informationstreffen in der polnischen Grenzstadt loteten sie die Möglichkeiten der Zusammenarbeit aus - wohl wissend, dass die Zeit drängt.

Denn die Unterstützer auf deutscher wie auf polnischer Seite wollen, dass der Muskauer Faltenbogen in das Europäische Netzwerk der Geoparks aufgenommen wird. Die Entscheidung steht unmittelbar bevor: In rund sechs Wochen ist das Thema im Koordinierungskomitee des Netzwerkes auf der Tagesordnung. Die Chancen stehen nicht schlecht, sagt Manfred Kupetz, Vorsitzender des deutschen Fördervereins Geopark Muskauer Faltenbogen. Das Netzwerk suche möglichst viele neue und internationale Mitglieder: “Polen ist bisher nicht dabei.„ Auch die binationale Zusammenarbeit beim Faltenbogen sei für das europäische Netz interessant. Wenn das Komitee zustimmt, wird der Muskauer Faltenbogen bei der zehnten Netzwerk-Tagung im September in Norwegen als Mitglied aufgenommen.

Nun geht es darum, die Bedingungen zu erfüllen, die ein Expertenteam des Netzwerkes formuliert hatte. Knackpunkt ist die Schaffung eines gemeinsamen deutsch-polnischen Informationszentrums für den Geopark. Derzeit verhandeln darüber die Landräte der Kreise Spree-Neiße und Görlitz. Im Oktober hatte Spree-Neiße einen Antrag für Interreg IV A-Fördermittel gestellt: “Wir hoffen auf eine Bestätigung in den kommenden Wochen oder Monaten„, sagte Kupetz. Bis das gemeinsame Zentrum steht, soll das Geopark-Büro im Amt Döbern-Land um einen polnischen Mitarbeiter verstärkt werden. Woher der kommt und wie er finanziert wird, muss die polnische Seite nun klären. An gutem Willen mangelt es nicht. Man wolle gerne mitmachen, betonte Dorota Szewczyk, Direktorin der Gruppe der Landschaftsparks der Woiwodschaft Lubuskie (Lebuser Land), die für das polnische Geopark-Territorium zuständig ist. “Doch für die Zusammenarbeit brauchen wir eine rechtliche Grundlage.„ Diese soll nun ein Kooperationsvertrag zwischen dem polnischen Förderverein und der Landschaftspark-Verwaltung schaffen. Die Woiwodschaft und die Gemeinden sollen ebenfalls mit ins Boot. Außerdem gibt es Gespräche mit dem Findlingspark, der ebenfalls den Faltenbogen mit vermarkten könnte.

Zum Thema:

Das Europäische Geopark-Netzwerk wurde im Jahr 2000 gegründet und vereint derzeit 37 Landschaften in ganz Europa. Ziel ist es, den natürlichen Lebensraum zu erhalten und für den Naturtourismus erschließbar zu machen. Um aufgenommen zu werden, müssen Antragsteller wissenschaftliche Studien und Wirtschaftsunterlagen einreichen. Diese Unterlagen werden begutachtet. Mitglieder können auf europaweite Vermarktung und Fördergelder aus Brüssel hoffen. Die Aufnahme in das Netzwerk bedeutet zugleich die Anerkennung als Geopark der Unesco, der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur.