Es ist ein filmreifer Coup: Unbemerkt dringt ein Einbrecher in die Schatzkammer der Burg Hohenzollern ein. Kiloweise stiehlt er Gold und Juwelen, die einst den deutschen Königen und Kaisern gehört hatten. Keine Alarmanlage schrillt, kein Wachmann merkt etwas. Es war ein penibel vorbereiteter Einbruch, der sich vor 60 Jahren in der Nacht vom 30. auf den 31. Juli 1953 in der Burg bei Hechingen (Baden-Württemberg) ereignet hat.

Das Haus Preußen, das seinen Stammsitz auf der Burg Hohenzollern hat, verlor damals unschätzbare Werte. Der Einbrecher steckte mehrere mit Brillanten besetzte Tabakdosen von Friedrich dem Großen ein, dazu einen preußischen Feldmarschallstab und brillantenbesetzte Kreuze. Auch der letzte existierende von einst 50 Tellern aus Gold verschwand - mit den anderen 49 hatte Friedrich II. den Siebenjährigen Krieg finanziert.

Doch die historische Bedeutung kümmerte den Einbrecher nicht. "Er hat alles kurz und klein geschlagen und in Stücke gesägt -es ging ihm nur um Gold, Silber und Edelsteine", sagt Günther Boetch, Führer im Kriminalmuseum der Akademie der Polizei Baden-Württemberg in Freiburg. Nur die Königskrone und eine Tabakdose, die Friedrich II. im Kampf vor einer womöglich tödlichen Kugel geschützt hatte, ließ der Einbrecher da.

Heinz Seidenberger war damals gerade zehn Jahre alt - und das machte ihn verdächtig für die Polizei. Zwei Wochen vor dem Einbruch hatte Seidenberger mit seinen großen Brüdern auf dem Zollernberg gespielt. "Da bin ich an einer Stelle plötzlich ausgerutscht, und da kam unter dem Moos ein roter Bolzenschneider zum Vorschein." Die Jungs nahmen ihn mit nach Hause.

Doch als zwei Wochen später der Einbruch geschah und das ganze Dorf darüber sprach, bekam ein Lehrer Wind von den Geschichten, die die Jungen in der Schule erzählten. Am nächsten Morgen seien Kripo-Beamte in die Schule gekommen und hätten ihn mit aufs Revier genommen, erzählt Seidenberger. "Ich war der Hauptverdächtige. Die Kripo hat immer gesagt: Das Loch im Fenster zur Schatzkammer ist so klein, da kann nur ein kleines Kind durchpassen."

Über eine Produktionsnummer konnten die Ermittler allerdings zurückverfolgen, wo der Einbrecher sein Werkzeug gekauft hatte. Bei dem Händler fand sich ein Lieferschein. Er war unterzeichnet von Paolo del Monte - einem polizeibekannten Hochstapler. Wenig später konnten die Ermittler den Mann festnehmen.

Es wurde klar, wie ein erwachsener Mann durch das winzige Loch in die Schatzkammer gelangen konnte: "Del Monte war Artist und trat als Schlangenmensch im Zirkus auf", erzählt Boetch.