(dpa/roe/pb) Der deutsche Beitrag „Werk ohne Autor“ hat die letzte Hürde vor einem möglichen Oscar-Triumph genommen. Das Künstlerdrama von Florian Henckel von Donnersmarck ist einer von fünf Finalisten in der Sparte „nicht-englischsprachiger Film“, wie die Oscar-Akademie am Dienstag bekannt gab. Zu den Konkurrenten zählen unter anderen die Filme „Roma“ (Mexiko) und „Cold War“ (Polen). Pawel Pawlikowskis „Cold War“ gewann beim 28. Filmfestival Cottbus im November 2018 den von der RUNDSCHAU gestifteten Publikumspreis und wurde später mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet. Es wird eine unmögliche Liebe beschrieben, die im Nachkriegspolen beginnt und sich über einen Zeitraum von fast 20 Jahren spannt.

Publikumsliebling in Cottbus – das ist kein schlechtes Oscar-Omen: „No Man’s Land“ des Bosniers Boris Tanovic hatte 2001 die meisten Zuschauerstimmen in der Lausitz bekommen. Und 2002 dann den Oscar für den besten fremdsprachigen Film ... Ein weiterer Cottbus-Gewinner hat es nicht in die Endrunde geschafft: Für Kasachstan hatte „Ayka“, 2018 der Cottbuser Hauptpreisträger, noch auf der Shortlist von insgesamt zehn Filmen gestanden.

Etwas überraschend wurde zudem der US-Kameramann Caleb Deschanel für seine Arbeit an „Werk ohne Autor“ nominiert. Der letzte für den Auslands-Oscar nominierte deutsche Film war 2017 „Toni Erdmann“ von Maren Ade. Im vorigen Jahr hatte es „Aus dem Nichts“ von Fatih Akin nicht in die Endrunde geschafft. Für Donnersmarck ist es die zweite Oscar-Chance. Mit dem Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ holte er 2007 bereits den Auslands-Oscar nach Deutschland.

„Ich freue mich riesig, dass unser Film ,Werk ohne Autor‘ über die Academy die Anerkennung bekommt, die er verdient“, sagte der 56-jährige Schauspieler Sebastian Koch. Es herrsche „großer Jubel und Freude.“

Das Drama erzählt von einem Künstler und dessen Findungs- und Schaffensprozess. Sebastian Koch spielt den Schwiegervater dieses von Tom Schilling verkörperten Künstlers. Als dessen Ehefrau ist Paula Beer zu sehen. Inspiriert ist „Werk ohne Autor“ vom Leben des deutschen Malers Gerhard Richter. Der 86-jährige Künstler ist inzwischen zu Donnersmarck auf Distanz gegangen und hat den Film als Verzerrung seiner Biografie kritisiert.

Auf die Frage, was eine Nominierung für Preise wie den Golden Globe oder Oscar bedeute, hatte Regisseur Henckel von Donnersmarck zuvor in San Francisco gesagt: „Solche Sachen sind vielleicht noch wichtiger als vor zehn Jahren (...). Man braucht irgendetwas, um einem Film, der einen komplexen Inhalt hat, zu einer Sichtbarkeit zu verhelfen.“

„Werk ohne Autor“ war bei der Golden-Globe-Verleihung Anfang Januar leer ausgegangen. Gewinner war das Filmdrama „Roma“ des mexikanischen Regisseurs Alfonso Cuarón.

Bei der Oscar-Verleihung am 24. Februar hat auch die deutsche Ko-Produktion „Of Fathers And Sons - Die Kinder des Kalifats“ Oscar-Chancen. In der Sparte Beste Dokumentation ist das Werk des aus Syrien stammenden und in Berlin lebenden Regisseurs Talal Derki („Return to Homs“) unter den fünf Anwärtern. In der deutsch-syrisch-libanesischen Doku über die Kriegstraumata von Jugendlichen folgt Derki der Familie eines islamistischen Kämpfers während des syrischen Bürgerkriegs.