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Filialen großer Ketten als Lehrstuben stark nachgefragt

Cottbus/Dresden. Der Handel ist bei jungen Leuten in der Lausitz als Berufsfeld stark nachgefragt. Das bestätigt Katrin Erb, die Leiterin der Geschäftsstelle für Standortpolitik der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus. Kathleen Weser

Der Wunsch, im Einzelhandel ausgebildet zu werden, folgt hier unmittelbar den Metallberufen. Trotzdem fällt es den Filialisten und Fachgeschäften zunehmend schwerer, die Stellen zu besetzen. Der Trend zum Studium ist groß. Die Berufsausbildung verliert beim Nachwuchs allgemein in der Gunst.

Die Arbeitszeiten, die in den vergangenen Jahren dem Kundenwunsch und Wettbewerbsdruck folgend auch weit in die Abendstunden und in die Wochenenden reichen, sind für junge Leute weniger abschreckend. Als Vorteile der Ausbildung im Einzelhandel hat der Nachwuchs flache Hierarchien und exzellente Aufstiegschancen vor allem in den Handelsketten erkannt. Kaufland und Lidl haben beispielsweise gute Modelle, erklärt Katrin Erb. Über Langzeitpraktika und betriebliche Einstiegsqualifikationen werde der Weg in die Lehre auch für Schulabgänger, denen das Lernen weniger leicht falle, geebnet. 15 Prozent aller 38 000 Betriebe in Südbrandenburg sind Handelsunternehmen, die insgesamt 25 000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigen. Die Zahl steigt langsam, aber stetig weiter.

Im Kammerbezirk Dresden, der mit der Landeshauptstadt ein sehr starkes Handelszentrum hat, wird die Ausbildung vor allem von den Filialisten großer Einkaufsketten vom Lebensmittelmarkt über Drogerien bis zur Haushalts- und Medientechnik geleistet. "Der kleinteilige Einzelhandel bildet selten selbst aus, profitiert aber von den Großen", stellt IHK-Sprecher Lars Fiehler fest.

Geschäfte im ländlichen Raum haben eher betriebswirtschaftliche als personelle Sorgen. Beratungskompetenzen seien im stationären Handel wichtiger denn je. Die Sortimente und Öffnungszeiten müssen im Wettbewerb mit dem Online-Geschäft attraktiv bleiben.

Zum Thema:
Im Bereich der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus sind in diesem Jahr (bis Ende August) 242 neue betriebliche Ausbildungsverträge im Einzelhandel geschlossen worden. Das sind elf mehr als im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres. Etwa 40 Stellen sind für Kaufleute im Einzelhandel und Verkäufer noch verfügbar. Im Kammerbezirk Dresden hatten bis dato 788 junge Leute einen Lehrvertrag unterzeichnet (2015: 775). Bis zum Jahresende bewegt sich das noch auf die 1000er-Marke zu, sagt Kammersprecher Lars Fiehler voraus.