Ein Güterzug mit Rohöl ist im Osten Kanadas entgleist und explodiert. Durch die Wucht der Detonation starben am Samstag (Ortszeit) mindestens fünf Menschen, und das folgende Großfeuer verwüstete die Kleinstadt Lac-Mégantic, wie die regionalen Medien berichteten. Ein Polizeisprecher sagte dem britischen Sender BBC, man befürchte, dass bei der Katastrophe noch mehr Menschen ums Leben gekommen seien. Nach Angaben kanadischer Medien wurden rund 60 Menschen vermisst.

Eine Reihe gewaltiger Detonationen erschütterte nach dem Unfall den Ort, der nur wenige Kilometer von der Grenze zur USA entfernt liegt. Die Kesselwagen mit Rohöl waren aus den Schienen gesprungen und hatten die Katastrophe ausgelöst.

Das "Le Journal de Montréal" berichtet von fünf oder sechs Explosionen, die Flammen seien kilometerweit zu sehen gewesen. Viele Menschen seien um ihr Leben gerannt. Mindestens 30 Gebäude in dem Städtchen seien zerstört worden.

Der Un fall ereignete sich etwa 250 Kilometer östlich von Montreal, etwa eine Stunde nach Mitternacht (Ortszeit). Dem "Journal" zufolge waren fast alle der 73 Waggons in das Unglück verwickelt. Die Explosionen hätten einen großen Brand in der Stadt ausgelöst. Dutzende Gebäude waren betroffen, etwa 1000 Menschen hätten ihre Häuser verlassen müssen. Bei der Bekämpfung der Flammen halfen auch Feuerwehrleute aus den nahen USA. Dennoch brannte das Feuer den ganzen Tag, mehr als 24 Stunden.

Amateurvideos im Netz zeigen schon zu Beginn des Unglücks mächtige Flammen. Zum Entsetzen des filmenden Augenzeugen kommt es dann zu schweren Explosionen, die Flammen schossen Dutzende Meter in den Nachthimmel. Der Unglücksort wurde weiträumig abgesperrt, die Hitze des riesigen Feuers erschwerte die Löscharbeiten. Ein Teil des Rohöls lief in den See, der dem Städtchen seinen Namen gab .

Nach Medienberichten sollen die Waggons von allein ins Rollen gekommen. Der unbemannte Zug habe am Samstag auf einem Hügel gestanden und sei ohne Lok außer Kontrolle geraten, berichten die "The Vancouver Sun" und die "Montreal Gazette" unter Berufung auf die Bahnbetreiber. Der Lokführer habe den Zug am Ende seiner Schicht abstellt und sowohl die Bremsen als auch die Ladung kontrolliert, bevor er in einem Hotel eincheckte. Auf unerklärliche Weise habe sich der Güterzug dann aber von seiner Lok abgekoppelt und sei durch sein Gewicht ins Rollen geraten. Er raste in die Kleinstadt Lac-Mégantic und entgleiste.