Rauchsäulen, Sirenengeheul, Löschkanonen: Auf dem Messegelände in Hannover herrscht Ausnahmezustand. Die alle fünf Jahre stattfindende Interschutz - die Weltleitmesse der Helfer und Retter - ist seit Montag Tummelplatz des globalen Blaulicht-Milieus. Mit allem, was dazugehört: Rettungswagen, Helikopter, Feuerspritzen, aber auch Konferenzen und Fachvorträge. Es ist eine Mischung aus Jahrmarkt, Hightech-Show und Branchentreff. Rund 1500 Aussteller zeigen eine knappe Woche lang, was heute alles technisch machbar ist im Mikrokosmos von Aerosol-Düsen und Reanimationshilfen. "Die größte Interschutz aller Zeiten", jubeln die Organisatoren bereits jetzt.

In den Hallen drängen sich Brandschützer aus Altdöbern, Wustermark oder Zell am See. Nebeneinander sind russische und französische Feuerwehr-Uniformen zu sehen - selbst aus Südafrika sind Besucher angereist. Der Trend heißt höher, weiter, schneller: Immer weniger, aber dafür auch immer umweltfreundlichere und effektivere Löschmittel kommen dank moderner Technik zum Einsatz. Neuartige Spritzen jagen es Hunderte Meter hoch. Die Palette der Neuheiten reicht im digitalen Zeitalter von ferngelenkten Robotern bis hin zu intelligenten T-Shirts, die die Pulsfrequenz der Retter messen und vor einem nahenden Kollaps warnen.

Auch das Technische Hilfswerk (THW), das zum Messeauftakt seinen Jahresbericht vorlegte, verweist auf den immer stärkeren Einsatz von smarter Technik. Die in Bozen ansässige Firma EMi Controls etwa schickt Löschturbinen auf ferngelenkten, fahrbaren Untersätzen ins Feuer - etwa bei Raffinerien oder in Chemiewerken, wo es für Menschen zu gefährlich wird bei der Brandbekämpfung.

"Das große Interesse ist ebenso beeindruckend wie die Sprachenvielfalt", sagt Aussteller Uwe Rohlfs aus Sulingen. Er steht an seinem umlagerten Freiluftstand, auf dem Mitarbeiter die Temperatur in einem brennenden Container gerade von gut 800 Grad auf rund 100 Grad Celsius senken. Mit gut 100 Bar Druck wird ein feiner Wasserstrahl ins Innere geschossen - die Wirkung ist beeindruckend.

Der britische Feuerwehrmann Shamus Harrison vom "Humberside Fire and Rescue Service" dagegen ist Feuer und Flamme für den Bronto-Skylift, dessen XXL-Ausleger auf eine Höhe von 104 Meter kommt.

Rund 125 000 Fachbesucher aus aller Welt werden bei der Messe erwartet, bei der es auch um Nachwuchswerbung geht.