Schwerhörige Kassenpatienten sollten mit der Anpassung eines digitalen Hörgeräts bis Mitte Oktober abwarten, wenn sie nicht unbedingt sofort eine neue Hörhilfe benötigen. Denn ab 1. November ist der Festbetrag fast doppelt so hoch wie bisher, den die gesetzlichen Krankenkassen als Zuschuss zu einem Hörgerät zahlen. Darauf weist die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hin. Versicherte erhalten dann auf Antrag rund 785 statt 421 Euro. Anders als bislang zahlen die Kassen künftig auch die begleitende Nachsorge.

Ein Hörgerät bekommen Kassenpatienten nur auf Rezept, nachdem ein Ohrenarzt sie untersucht hat. Anschließend sollten sie sich bei ihrer Kasse erkundigen, welche Hörgeräteakustiker Vertragspartner der Kasse sind. Am besten vergleichen Versicherte die Angebote von mindestens zwei dieser Anbieter, rät die Verbraucherzentrale. Ist die Entscheidung auf einen gefallen, legt dieser einen Kostenvoranschlag für eine geeignete Hörhilfe vor. Erst wenn die Kasse darauf hin schriftlich zusagt, kann der Patient sicher sein, dass die Kasse den Festbetrag auch tatsächlich zahlt.

Nach Angaben der Verbraucherschützer liegt es bei den Akustikern, welche Modelle sie als Kassengerät führen. Sie seien verpflichtet, einige Geräte vorzuhalten, deren Preis der Höhe des Festbetrags entspricht. Abhängig vom Hörproblem und persönlichen Bedarf des Versicherten kann die Hörhilfe aber auch deutlich teurer sein. Nur wenn diese medizinisch erforderlich ist, zahlt die Kasse auch diese. In der Regel müssen Versicherte außerdem einen Eigenanteil von zehn Euro je Gerät zahlen.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erklärt außerdem, dass sich Versicherte von ihrem Hörgeräteakustiker besser nicht dazu drängen lassen, eine Verzichtserklärung zu unterschrieben. Damit verbauen sich Versicherte die Chance, dass die Kasse mehr als den Festbetrag für ein Hörgerät übernimmt. Bei unterschriebener Verzichtserklärung ist es nämlich nicht möglich, die Übernahme der Kosten jenseits des Festbetrags bei der Kasse zu beantragen. Das gilt laut der Verbraucherzentrale auch dann, wenn sich herausstellt, dass eigentlich ein teureres Gerät medizinisch erforderlich ist.