Piëch dürfte dazu auch nicht in der Stimmung sein. Denn zu viel ist passiert in den vergangenen zwei Jahren. Der "Automanager des Jahrhunderts" ist Geschichte bei Volkswagen - lange Zeit völlig unvorstellbar.

Den Ausbau des VW-Imperiums sah Piëch als eine Art Lebenswerk. Lange Zeit regierte er erfolgreich von seinem Wohnort Salzburg aus, er war die oberste Instanz, ein VW-"König". Der "Alte" wurde er genannt. Doch das Kapitel ist beendet, nach heftigen internen Machtkämpfen. Denn Piëch ist praktisch raus aus VW und der Dach-Holding Porsche SE. Er verkaufte den weitaus größten Teil seines milliardenschweren Aktienpakets, vor allem an seinen jüngeren Bruder Hans Michel Piëch (75). Er ist der neue starke Mann im Familienclan.

Vor fünf Jahren war das noch ganz anders - als Ferdinand Piëch 75 wurde. 2012 war das, Volkswagen eilte von Rekord zu Rekord. Piëch feierte seinen Geburtstag als Firmenpatriarch mit vielen Gästen in einem Nobelhotel in Dresden. Wenig später, bei der Hauptversammlung, wurde seine Ehefrau Ursula in den VW-Aufsichtsrat gewählt, Piëch selbst für fünf weitere Jahre im Amt als Aufsichtsratschef bestätigt - VW als Dynastie. Und quasi als verspätetes Geburtstagsgeschenk übernimmt die VW-Tochter Audi den italienischen Motorradhersteller Ducati - ein lang gehegter Traum des früheren Audi-Chefs Piëch.

Sein Ziel war es immer, Volkswagen zur Nummer eins in der Welt machen - mit allem, was auf Straßen fährt, von Kleinwagen bis zum Laster. "Ich bin nicht gern Zweiter", sagte Piëch einmal in einem Interview. Er war der mächtigste Mann bei VW. Vor dem Urteil des genialen Konstrukteurs mit Detailliebe zitterten die Ingenieure in Wolfsburg, so gehen die Legenden. Das alles ist Geschichte. Das Verhältnis zwischen Piëch und den Spitzen bei VW und der Dach-Holding Porsche SE ist zerrüttet. Zum Geburtstag allerdings schlägt VW versöhnliche Töne an. "Ferdinand Piëch hat das Automobil, unsere Industrie und den Volkswagen-Konzern in den vergangenen fünf Jahrzehnten maßgeblich geprägt", betont ein VW-Sprecher. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagt: "Ferdinand Piëch war als Vorstandsvorsitzender der richtige Mann zur richtigen Zeit." Mit der Unterstützung der Vier-Tage-Woche habe er sich große Verdienste um den Erhalt Zehntausender Arbeitsplätze erworben.

Auch Piëch selbst meldete sich vor seinem Geburtstag knapp zu Wort. Der Branchenzeitung "Automobilwoche" sagte er mit Blick auf die VW-Mitarbeiter: "Bitte vergessen Sie die Kunden nicht, sie sind für die Existenz des Unternehmens am wichtigsten." Andreas Hoenig