Haarscharf glitt das Damoklesschwert über den Fliegerhorst Holzdorf hinweg. „Der Erhalt des Flugplatzes ist eine Entscheidung, die in letzter Minute ausschließlich durch den Minister und dessen engsten Beraterkreis getroffen wurde”, sagt Frank Best, Kommodore des in Holzdorf stationierten Hubschraubergeschwaders 64. Best, der erst vor wenigen Tagen zum Oberst befördert wurde, ist sich der Bedeutung dieser Verfügung durchaus bewusst. So richtig glücklich ist man mit der Weisung des obersten Dienstherren angesichts der Ansiedlung des Stabes des HSG im baden-württembergischen Laupheim natürlich nicht. Aber angesichts der Schicksale, die andere Standorte erlitten, etwa der engste „Konkurrent” der Holzdorfer in Rheine, „hätte es schlimmer kommen können”. Best weiter: „Für das HSG 64 ist es nicht die vorteilhafteste Situation, aber eine, mit der wir uns arrangieren können”, betont er.

Knackpunkt der Entscheidung pro Holzdorf sei die aufs Modernste ausgelegte Infrastruktur des Fliegerhorstes gewesen. „Die Luftwaffe hat in all den Wochen vor der Entscheidung immer wieder bekräftigt, wie wichtig ihr der Erhalt des Flugplatzes ist”, sagt Oberst Best. Den Fortbestand sichern dürfte nun aber vor allem die Aussage de Maizières, dass es in Holzdorf auch künftig aktiven Flugbetrieb geben werde. Eine für den Standort bedeutsame Aussage. Denn einzig durch den geplanten Werftbetrieb, den die Luftwaffenwerft 25 und ihr dazugehöriger Regimentsstab nach ihrer Verlegung aus Diepholz in Holzdorf sicherstellen sollen, wäre der Platz langfristig kaum zu halten.

Die Grobstruktur steht, die Feinplanung ist allerdings noch offen. An ihr soll Oberst i.G. Frank Best mitarbeiten. Dabei gilt es unter anderem zu klären, welche Art von Flugbetrieb in Holzdorf stattfinden soll und wie viele Maschinen welchen Typs an den Platz kommen. Im Raum steht auch die Frage, wie lange der NH90 hier noch fliegen wird. Hektisches agieren sei jetzt fehl an dieser Stelle. „Dennoch müssen wir zügig arbeiten, um die Neuausrichtung fristgerecht umsetzen zu können”, verdeutlicht der Kommodore. Mit der Bekanntgabe erster Entscheidungen sei allerdings frühestens im ersten Quartal 2012 zu rechnen.

Logistische Verlegungen ganzer Standorte sind ein anspruchsvolles Unternehmen. Einen Werftbetrieb verlegt man nicht einfach über Nacht, betont Best. Hier gilt es strategisch zu denken, um den Einsatz der Bundeswehr nicht zu gefährden, aber auch das Personal schonend an die neue Aufgabe heranzuführen. Gänzlich ohne Personalmaßnahmen werde die Umsetzung der Vorgabe aber nicht abgehen. Hart treffen wird es in Holzdorf vorrangig NH90 geschulte Soldaten. Für sie stellt sich die Frage nach dem eventuellen Verbleib am Standort oder dem Wegzug mit dem NH90 zum Heer. Sofern ihnen dafür Planstellen geboten werden. Denn die einst avisierten 122 Hubschrauber des Typs wurden aus Kostengründen bereits auf 80 reduziert. Gleiches gilt auch für die CH-53, von denen einige nach Holzdorf kommen werden. Von ihnen hat die Bundeswehr bis dato 82 im Bestand. Übrig bleiben sollen aber lediglich 64. Weniger Maschinen heißt weniger freie Cockpitplätze für Piloten, die dadurch langfristig keinen Platz in der Bundeswehr finden. Mit Spannung erwarten die Soldaten daher die Verabschiedung des geplanten Reformbegleitgesetzes. Dieses soll verschiedenste Finanzierungsszenarien regeln, falls sich Soldaten für den vorzeitigen Abschied entscheiden. Die Reduzierung der Streitkräfte auf 185 000 Soldaten verlangt vor allem von der Luftwaffe ein hohes Opfer.

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Zum Thema„Die Neuausrichtung der Bundeswehr stellt sie auf eine solide und nachhaltige finanzielle Grundlage, und wir steigern die Einsatzfähigkeit. Die Bundeswehr wird zwar kleiner, sie wird aber auch konsequent einsatz- und fähigkeitsorientiert ausgerichtet“, sagte de Maiziére im Interview mit der Zeitschrift Internationale Politik. Der Standort Schönewalde-Holzdorf wird darin Dank der bisher investierten 220 Millionen Euro eine wichtige Rolle spielen.