Ein Jahr später hat es dann doch geklappt: "Fidelity" - auf Türkisch Sadakat - , sein Abschlussfilm an der Hamburg Media School, erhält von der Filmakademie den Studenten-Oscar in Gold. "Das ist ein wahnsinniges Hochgefühl, zu wissen, dass der Film sein Publikum findet und die Leute universell berührt", sagte der Filmemacher.

"Fidelity/Sadakat" spielt während der politischen Unruhen in der Türkei rund um den Taksim-Platz und wurde 2014 mit großem Risiko in Istanbul gedreht. "Ich habe einfach das Bedürfnis gehabt, einen Film zu machen, der die politische Situation in der Türkei aufgreift", sagt Çatak. Der Film erzählt von einer jungen Ärztin, die in einem Krankenhaus arbeitet. Auf der Straße toben Krawalle zwischen Demonstranten und der Polizei. In einer spontanen Aktion bietet sie einem politischen Aktivisten Schutz - dadurch gerät auch ihre Familie ins Visier der Polizei. "Es geht um Mut, und es geht um Haltung und darum, dass man zu gewissen Dingen steht im Leben", sagt der 31-Jährige.

Geboren wurde Ilker Çatak 1984 in Berlin. Im Alter von zwölf Jahren zog er mit seiner Familie nach Istanbul und machte dort sein Abitur. Anschließend kehrte er nach Deutschland zurück und studierte Film- und Fernsehregie in Berlin - nachdem ein Sachbearbeiter beim Arbeitsamt ihn nach seinen Hobbys gefragt und ihm dazu geraten hatte. 2011 wird er Autorenstipendiat des Bayerischen Rundfunks und arbeitet nebenher als Werbefilmregisseur. 2012 bis 2014 macht Çatak, der den Hamburger Regisseur Fatih Akin ("Gegen die Wand") sein Idol nennt, seinen Master in Filmregie an der Hamburg Media School. Seitdem lebt er in Hamburg und Berlin. Nach Los Angeles reiste der Filmemacher in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal - nachdem er dort bereits seinen Film beim Palm Springs Festival gezeigt hat.