In einem von Peter Hans (CDU), dem Ersten Kreis-Beigeordneten, unterzeichneten Mehrseitenpapier weist die Kommunalaufsicht nach, dass die Stadtwerke den Abgeordneten eine Beschlussvorlage ausgehändigt haben, die "nicht nur hinsichtlich der Kalkulationsberechnungen, sondern auch bezüglich der Planungsunterlagen unkorrekt" gewesen sei. So werde bei einem Vergleich von vier Varianten behauptet, dass es mit der vierten Variante "ab dem sechsten Jahr möglich (ist), ein positives Jahresergebnis zu erwirtschaften", wie die Geschäftsführung behauptet. "Diese Aussagen … sind nicht richtig", stellt die Kommunalaufsicht fest. Erst im Zusammenhang mit ihrer Recherche zum Beschluss, den der damalige Bürgermeister Johannes Wohmann (FDP) beanstandet hatte, und der Anforderung weiterer Unterlagen räumen die Stadtwerke ein, bei ihrer Prognose "spitzgerechnet" zu haben. Einige Aussagen in den Unterlagen sprächen sogar dafür, dass eine Auslastung des IT-Zentrums innerhalb von 15 Jahren nicht nachgewiesen werde, "sogar bewusst in Kauf genommen wird". Es spreche "sehr viel dafür", dass die angenommene Prognose "bestenfalls frei gegriffen worden ist", kommt die Kommunalaufsicht zu dem Schluss. Bürgermeister Jörg Gampe (CDU) sprach in der jüngsten Stadtverordnetensitzung, wo er wesentliche Passagen der Stellungnahme vortrug, von Fehlinformationen an den Aufsichtsrat und die Stadtverordnetenversammlung.Udo Linde, Fraktionsvorsitzer der Linken, die die Vorlage zum Bau des Rechenzentrums zusammen mit der SPD eingebracht hatten, wirft der Kommunalaufsicht eine "Larifari-Stellungnahme" vor, die sich in ihren Aussagen widerspreche. Er habe die Stellungnahme juristisch prüfen lassen. "Die Kommunalaufsicht fällt damit auf die Nase", kommt Linde zu dem Schluss.Für Rainer Genilke, CDU-Fraktionsvorsitzender, ist der Vorgang dagegen ein "mittlerer Skandal". "Wenn ein Unternehmen wie die Stadtwerke mit ihren Fachleuten sich derart verrechnen - ob bewusst oder unbewusst - entsteht bei mir die Frage: Welchen von ihren vorgelegten Wirtschaftsplänen kann ich künftig noch trauen und wo werde ich erneut übers Ohr gehauen?" Der Aufsichtsrat sei personell nur zur Hälfte besetzt gewesen, als ihm die Geschäftsführung Investitionen im Wert von mehr als neun Millionen Euro, darunter auch das Rechenzentrum, vorgelegt habe. "Ich lag zu der Zeit im Krankenhaus und habe vom Krankenbett aus mit dem Bürgermeister als dem Gesellschaftervertreter telefoniert und ihn gebeten, die Sitzung abzusetzen", erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Boxhorn. Johannes Wohmann habe ebenfalls auf eine Vertagung gedrängt, doch der Geschäftsführer hätte mit Bezug auf die ordnungsgemäße Ladung und die Beschlussfähigkeit auf den Termin bestanden, so Boxhorn. Der Aufsichtsratsvorsitzende will sich öffentlich nicht weiter zu den Vorgängen äußern. In der nächsten Sitzung komme die Angelegenheit, nachdem heute die Einspruchsfrist zur Stellungnahme der Kommunalaufsicht abläuft, auf die Tagesordnung. Als sicher gilt: Geschäftsführer Jürgen Kunze wird sich vor den Gremien rechtfertigen müssen. Mit welchen Konsequenzen, dazu will sich derzeit keiner äußern.Jürgen Kunze weist alle Vorwürfe zurück. "Ich habe niemals falsch informiert", behauptete der Stadtwerkechef am Donnerstag auf Nachfrage. Ihm sei zudem der Bericht der Kommunalaufsicht bisher nicht ausgehändigt worden.