Ist die Geschichte des Kapitalistenspiels eine Geschichte voller Missverständnisse? Der 19. März 1935 gilt als offizieller Geburtstag. "Charles Darrow hat Monopoly 1933 in Philadelphia,Pennsylvania, erfunden", heißt es vom Hersteller Hasbro. Die Spielefirmen hätten erst ablehnt, viel zu kompliziert das alles. Erst am 19. März 1935 habe Parker die Rechte gekauft - und eine Legende begründet. "Würde man alle Bretter der bislang verkauften Spiele aneinanderlegen, könnte man 3,5-mal den Erdball umrunden", heißt es stolz beim Hersteller. Gut und schön, aber ist Monopoly nicht viel älter?

Dass es auf dem "Landlord's Game" beruht, räumt Hasbro ein. Das hatte 1904 die 38-jährige Elizabeth Magie erfunden, mit quadratischem Spielfeld, "Gefängnis", "Frei parken" und jeder Menge Feldern, auf denen man Miete zahlen muss. Die Parallelen sind unübersehbar. Glücklich, dass ihr Spiel die Massen erreichen sollte, verkaufte sie das Patent: Aus dem "Landlord's Game" wurde "Monopoly".

Generationen von Spielern und Kritikern haben Monopoly anders verstanden als Magie. Es ist härter, vielleicht sogar brutaler als andere große Brettspiele. Da stupst nicht die blaue die rote Figur raus, die mit der nächsten Sechs wieder mitmachen darf. Bei Monopoly gewinnt schlicht und einfach der Reichste. Geld allein macht glücklich, oder gewinnt zumindest. Dabei ist ein Rätsel, was das Spiel so erfolgreich gemacht hat. Eigentlich dauert es viel zu lange, hat viel mit Glück zu tun, und nach einer Weile ist der Gewinner abzusehen und die anderen langweilen sich. Trotzdem wird es stundenlang gespielt, ob unter Wasser, auf Berggipfeln oder selbst im All, auf dem Pappbrett, der Spielkonsole oder dem Telefon. Der Rekord liegt bei 1680 Stunden, gut zwei Monate.

Im Osten Deutschlands baute man sich die Spiele sogar in mühevoller Arbeit selbst, weil die Zöllner sie aus den Westpaketen fischten.