Indizien deuteten darauf hin, dass Kate McCann mit dem Verschwinden ihrer Tochter etwas zu tun haben könnte, berichteten portugiesische Medien gestern. Die Polizei gehe davon aus, dass die Vierjährige tot sei.
Die Mutter sei in einer neuen fünfstündigen Vernehmung offiziell als Verdächtige eingestuft worden, hieß es weiter. Im Anschluss wurde die 39-Jährige auf freien Fuß gesetzt. Ihr Mann, Gerry McCann (ebenfalls 39), musste gestern Abend erneut bei der Kriminalpolizei in Portimão an der Algarve-Küste aussagen. Das britische Ärzte-Ehepaar wurde damit erstmals separat befragt.
"Kate weiß, dass es nun sogar möglich ist, dass sie festgenommen wird", sagte Justine McGuinness, Sprecherin von Madeleines Eltern, Reportern in Portimão. In unbestätigten portugiesischen Berichten hieß es sogar, eine Anklage werde vorbereitet.

22 Fragen an Kate McCann
Madeleines Mutter war bereits am Donnerstag einem "Marathonverhör" unterzogen worden. Es dauerte elf Stunden und endete erst in der Nacht zu gestern. In den Befragungen sei es um mindestens 22 konkrete Fragen gegangen, sagte der Sprecher der McCann-Familie, David Hughes. Die Natur dieser Fragen mache es nach portugiesischem Recht erforderlich, die Mutter als Verdächtige einzustufen. Gegenstand der Vernehmung war nach Angaben der britischen Agentur PA auch die Entdeckung von Blutspuren in einem Mietwagen, den die McCanns benutzt hatten. Dieses Blut stamme möglicherweise ebenso von dem Mädchen wie Blutspuren in der Ferienwohnung der McCanns. Eine Familiensprecherin nannte dies "völlig unsinnig" und verwies darauf, dass die McCanns den Wagen drei Wochen nach dem Verschwinden der Tochter angemietet hatten. Gerry McCann betonte vor seiner Vernehmung, seine Frau sei ebenso wie er völlig unschuldig. "Wir werden di es bis zum Ende durchkämpfen", schrieb Madeleines Vater auf der FamilienWebsite.
Die Einstufung von Kate McCann als "Arguida" (Verdächtige) bedeutet nach portugiesischem Recht nicht, dass eine Anklage folgen muss. Sie kann nun unter anderem die Aussage verweigern und erweiterten Rechtsbeistand in Anspruch nehmen.

Spekulationen in Zeitungen
Kate McCann sei "völlig geschockt und überrascht, aber sie ist ruhig und gefasst", sagte ein Freund der Familie der BBC. Verwandte und Freunde sprachen Madeleines Eltern ihr rückhaltloses Vertrauen aus. Der Gedanke, die beiden Ärzte könnten ihrer Tochter ein Leid zugefügt haben, sei "irrsinnig", erklärte der Großonkel von Madeleine, Brian Kennedy, im Namen der Familie.
In Londoner Zeitungen wurde erneut über mögliche Verdachtsmomente gegen die Eltern von Madeleine spekuliert. So will die "Sun" erfahren haben, dass Ermittler auch der Vermutung nachgehen, die beiden Ärzte hätten ihrer Tochter versehentlich eine Überdosis Beruhigungsmittel verabreicht und sie dadurch unabsichtlich getötet. (dpa/uf)