Die Ermittlungsdokumente, die eine mögliche Verwicklung der Eltern in den Vermisstenfall behandeln, sollten spätestens heute dem portugiesischen Staatsanwalt Jose Cunha de Magalhaes e Meneses vorgelegt werden, sagte Polizeisprecher Olegario Sousa in Portugal. Die Anklagebehörde muss dann entscheiden, ob Kate und Gerry McCann beschuldigt werden.
Die Staatsanwaltschaft muss auch beurteilen, ob die Verdachtsmomente ausreichen, die McCanns vor einen Ermittlungsrichter zu zitieren. Beide waren am Wochenende als Verdächtige benannt worden.
Der Richter kann dann festlegen, ob die bisherigen Auflagen für das Ärzteehepaar verschärft werden. Bisher dürfen die McCanns reisen, wohin sie wollen. Sie müssen der portugiesischen Polizei nur ihren Aufenthaltsort nennen und Bescheid geben, wenn sie mehr als fünf Tage unterwegs sind. Der Richter kann die Eltern im äußersten Fall auch verhaften lassen. Die beiden 39-Jährigen müssen nach Medienberichten vielleicht monatelang darauf warten, bis sie erfahren, ob sie angeklagt werden oder nicht.
Die vier Jahre alte Madeleine war am 3. Mai aus ihrem Ferienappartement an der Algarve-Küste verschwunden, die Eltern waren seitdem in Portugal und reisten am Wochenende zurück nach England. Sie erhalten nun Rechtsbeistand von zwei britischen Top-Anwälten, darunter von Michael Caplan. Caplan vertrat einst den chilenischen Ex-Diktator Augusto Pinochet, als der an Spanien ausgeliefert werden sollte. Gestern versammelten sich Reporter aus der ganzen Welt in dem kleinen Ort Rothley in Mittelengland, in den die McCanns zurückgekehrt waren. (dpa/uf)