„Was soll ich auflegen?“, fragt Volkmar Elsner. Der Taxifahrer öffnet das Handschuhfach und zieht einen Stapel DVD heraus. Deutsche Schlager, Pop- und Rocksongs oder Oldies. „Deutsche Schlager“, antworte ich, die am Freitagvormittag den Fahrgast im Karaoke-Taxi mimt. Elsner schiebt die entsprechende DVD in das Abspielgerät. Kurz darauf erscheint auf einem Bildschirm im hinteren Teil des Taxis zwischen Fahrer- und Beifahrersitz der Text des Klassikers „Ohne Dich schlaf ich heut Nacht nicht ein“ der Münchner Freiheit samt der musikalischen Begleitung.

„Das ist bisher das zweite Karaoke-Taxi in Deutschland“, stellt Inhaber Wolf-Dieter Fichtner ganz unbescheiden fest. Auf die Idee, ein Auto ins Unternehmen zu holen, in dem gesungen werden kann, kam Mitarbeiter Volkmar Elsner. „Zunächst war ich skeptisch, aber inzwischen finde ich die Idee klasse“, sagt Fichtner. „Bei unserer ersten Probefahrt am vergangenen Wochenende kam das Fahrzeug vor allem bei Jugendlichen sehr gut an.“ Das können auch die beiden Taxifahrer des Unternehmens Volkmar Elsner und Werner Neumann bestätigen, die die Karaokefahrten übernehmen. „Die Jugendlichen haben Spaß. Bedrückte Stimmung im Taxi gehört der Vergangenheit an“, so Elsner.

Und tatsächlich: Ich blühe beim Nachsingen des Liedes regelrecht auf. Anfangs noch mit etwas zittriger Stimme, trällere ich die ersten Zeilen „Aber eines gebe ich zu: Das, was ich will, bist du“ in das Mikrofon. Nach rund 30 Sekunden hat mich das Singfieber gepackt. Vor allem Freitag- und Samstagnacht werde in dem Karaoke-Taxi nach Herzenslust gesungen. „Umso mehr die Leute getrunken haben, umso lauter und besser wird es“, erklärt Elsner. Ich beweise den Fahrern am Freitagvormittag, dass es auch ohne Alkohol geht und Fahrgäste auch nüchtern voller Inbrunst singen können.

Überrascht nehme ich Volkmar Elsners Lob entgegen: „Das hört sich gut an. Sie können das ja richtig“, sagt er mit einem verwunderten Unterton. Den Fahrer stören die Gesänge auf der Rückbank nicht, „auch wenn mal der Eine oder andere schief singt“. Er konzentriert sich weiter auf das Fahren. „Ich höre selber gern Musik. Am liebsten Peter Maffay, aber den gibt es noch nicht als Nachahmerversion“, lacht Elsner.

Peter Maffay? Dann doch lieber die Münchner Freiheit. Meine Stimme klingt jetzt kräftiger. Ich getraue mich, Betonungen und Gesten hinzufügen. Die Rückbank im Auto wird zu meiner Bühne. Ich genieße die Zeit, bevor der Alltag wieder beginnt.

„Das Auto fährt im Alltag die üblichen Touren“, erklärt Wolf-Dieter Fichtner. Das Angebot gibt es übrigens zum ganz normalen Fahrpreis. „Die Fahrgäste können sich dann einen kleinen Rabatt ersingen“, erklärt Fichtner. Die Differenz zahlt der Unternehmer aus der eigenen Tasche.

Ich selbst hätte, wäre ich ein echter Fahrgast gewesen, 20 Prozent Rabatt ersungen. Ich bin nach dem Singen richtig glücklich. Test bestanden.