Stundenlang erschütterten Explosionen im größten Waffenlager des afrikanischen Landes die Millionenmetropole. Knapp 100 Tote und 400 Verletzte, lautete gestern die vorläufige Opferbilanz - Tendenz steigend. Im zentralen Krankenhaus spielten sich schreckliche Szenen ab. Freunde und Verwandte brachten blutüberströmte und verstümmelte Verletzte. Als mögliche Explosionsursache wurde das seit Wochen anhaltende heiße Wetter mit Temperaturen um die 37 Grad genannt.
"Es war wie im Krieg", schilderte ein Augenzeuge. Die Bevölkerung, die gerade mehr oder weniger erfolgreich das Trauma eines 17 Jahre andauernden grausamen Konflikts abzuschütteln versucht, geriet in Panik und strömte auf die Straßen. "Die Menschen fürchteten um ihr Leben - sie hatten ja zunächst keine Information, was vor sich geht", erklärte die Entwicklungshelferin Kerry Smith. Geschosse zischten durch die Gegend und landeten mehrere Kilometer weiter in Wohngebieten, Flammen züngelten in den Himmel. Die Behörden riefen zur Ruhe sowie zu Blutspenden auf.
Selbst im 15 Kilometer entfernten Gebäude des Kinderhilfswerks Unicef waren die Erschütterungen zu spüren. „Leute rufen den Rundfunk an, weil überall nicht explodierte Munition herum liegt“ , sagte Moises Inguane vom Roten Kreuz. Mehr als drei Stunden hielt der Geschosshagel vom Malhazine-Waffenlager an. Explodierende Bomben, Minen und Raketen flogen in benachbarte Wohngebiete und richteten schwere Zerstörungen an. Der Flughafen der Stadt wurde gesperrt. Die Regierung sagte wegen des Unglücks ein für gestern geplantes Treffen mit Südafrikas Präsident Thabo Mbeki in Maputo ab.
Im Rundfunk gab es erste Rücktrittsforderungen gegen Verteidigungsminister Ivo Garrido, der für das noch zu Kriegszeiten von den Sowjets errichtete Waffenlager verantwortlich ist. Es sollte demnächst verlegt worden. Dort hatte es bereits mindestens zwei schwere Zwischenfälle mit Toten und Verletzte gegeben. Das Depot wurde nach Angaben von Garridos Sprecher Joaquim Mataruca genutzt, um veraltete Munition und Waffen vor der Zerstörung zu lagern. "Erst vor Kurzem haben wir 100 Tonnen obsoleter Waffen zerstört, und wir werden in der nahen Zukunft noch mehr zerstören", sagte Mataruca.