Mit den bloßen Händen und einer Spitzhacke wühlt sich Mario Büchner, Truppleiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes, durch die Erde. Der Krater hat einen Durchmesser von zehn Metern. Auf einer Fläche von 15 mal sechs Meter hat sich die Fahrbahn der Mühlenstraße gesenkt. „Wir saßen gerade beim Frühstück. Das ganze Haus hat gewackelt. Es war wie ein Erdbeben“, schildert Karin Dabow aus dem Gallinchener Weg die Detonation. Hermann John atmet tief durch. „Die Tassen haben auf der Untertasse gewackelt. Es ist zum Glück nichts kaputt, aber ich zittere immer noch am ganzen Leib“, sagt er.

„Meine Frau hat sich auch mächtig erschreckt. Zuerst dachten wir, ein Lkw ist gegen die Mauer geknallt. Ich bin sofort rausgelaufen, um zu sehen, was passiert ist“, sagt Kurt Wunderling. Der 72-Jährige wohnt seit 1962 hier und macht sich Sorgen wegen der Fliegerbomben, die immer wieder gefunden werden. „Zum Glück verläuft die Gasleitung auf der anderen Straßenseite, sonst hätten wir jetzt im Kalten gesessen“, sagt Kurt Wunderling.

Spreegas ist trotzdem vor Ort und buddelt ein Loch. Immer wieder schiebt Ulrich Bolz, Ingenieur vom Dienst, das Messgerät in die Erde. „Wir suchen nach erhöhten Werten und müssen herausfinden, ob Gas ausgetreten ist“, erklärt Bolz, während seine Kollegen eifrig schaufeln.

Auch im Amtsgebäude hatten während der Detonation die Fensterscheiben geklirrt, sagt Bürgermeister Dieter Perko (CDU). Ortsvorsteher Wolfgang Hübner hatte ihn angerufen – selbst alarmiert von einem Spaziergänger, der zum Zeitpunkt der Explosion mit seinem Hund an der alten Mühle unterwegs war. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Neuhausen, allen voran die Männer aus Koppatz, waren zuerst am Unglücksort und übernahmen die Erstsicherung. Mit Polizeioberkommissar Falk Meier kamen erfahrene Einsatzkräfte vor Ort. Er war schon dabei, als am 28. Oktober die 200 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg auf einer Wiese am Neuhausener Flugplatz an der Bahnlinie Cottbus – Spremberg entdeckt wurde und über 150 Einwohner für mehrere Stunden ihre Häuser verlassen mussten. Dass auch diesmal wieder keine Personen verletzt wurden, die Explosion keines der Autos beschädigte, erleben die Anwohner am Mittwoch als Wunder, sie helfen den Einsatzkräften beim Abstoppen der Autofahrer, und Reinhard Zöllig bringt Kaffee.

Weiträumig muss der Bereich abgesperrt werden. Schon an der Kreuzung an der B 97 in Groß Oßnig werden die abbiegenden Autofahrer informiert und umgeleitet. Wenigstens bis in den heutigen Donnerstag hinein wird es bei einer Vollsperrung bleiben, das teilt Polizeisprecher Torsten Wendt mit. „Die Gasleitung ist unbeschädigt geblieben“, bestätigt er am Mittwochnachmittag. Und nach der ersten Bewertung des Schadensumfangs könnte es sich tatsächlich um eine Detonation von Munition aus dem Zweiten Weltkrieg gehandelt haben. „Findet der Kampfmittelbeseitigungsdienst Reste davon, braucht er buchstäblich nur daran zu schnuppern, um Gewissheit zu haben“, so Wendt. Nach solchen Resten soll heute etwas tiefer gesucht werden. „Wenn wir dabei mit dem Bauhof und mit Technik helfen können, tuen wir das“, verspricht Bürgermeister Perko.