Byhleguhre ist ein Dorf am Rande des Straupitzer Spreewaldes. Der aus dem Sorbischen/Wendischen stammende Name bedeutet so viel wie "Siedlung am weißen Hügel". So steht es im Niederlausitzer Ortsnamenbuch des Namensforschers Prof. Walter Wenzel. Da der slawische Einschlag den NS-Machthabern nicht passte, wurde der Ort im Jahr 1937 in "Geroburg" umbenannt. Nach 1945 trug das Dorf wieder seinen ursprünglichen Namen Byhleguhre. Doch amtlich sei dies nicht. Das ist zumindest die Auffassung des Ortsnamensforschers Dr. Gero Lietz aus Frankfurt (Oder).

Der 48-jährige Experte muss es wissen, schließlich forscht er bereits seit langem zu dieser Problematik. 2005 veröffentlichte der Wissenschaftler dazu ein Buch. "Ich bin bei meinen Recherchen auf keine Amtlichkeit für den Namen Byhleguhre nach dem Zweiten Weltkrieg gestoßen", sagt Lietz während eines Vortrages zur Namensthematik in Cottbus. Stattdessen habe er ein Schreiben des damaligen Lübbener Landrates an die Potsdamer Provinzialverwaltung ausfindig gemacht, in dem stehe, dass eine Rückbenennung nicht notwendig sei. Der Landrat soll vorgeschlagen haben, den Namen "Geroburg" beizubehalten. Allerdings tauchte diese Bezeichnung später nie mehr auf. Im amtlichen Gemeindeblatt aus dem Jahr 1948 ist nur von "Byhleguhre" die Rede.

Niedrige Rückbenennungsquote

In Brandenburg gab es laut Gero Lietz zwar ein Gesetz, das die Um- beziehungsweise Rückbenennungen der Ortsnamen regelte. Dieses trat im Sommer 1947 in Kraft. Doch danach habe lediglich eine Gemeinde, nämlich Wendisch Rietz (1937-1945 Märkisch Rietz), ihre ursprüngliche Bezeichnung zurückerhalten. Bei den übrigen Ortschaften hätten sich die Verantwortlichen mehr oder weniger stillschweigend auf die alten Namen geeinigt. Oder eben auch nicht. Denn die Rückbenennungsquote in Brandenburg belief sich lediglich auf 26 Prozent. Von den 54 umbenannten Orten erhielten nur 14 ihre frühere Bezeichnung zurück. Neben Byhleguhre ist dabei auch das benachbarte Byhlen (1937-1945 Waldseedorf) zu erwähnen. Siedlungen wie Freienhufen (Dobristroh), Annahütte (Särchen), Schwarzheide (Zschornegosda), Fleißdorf (Dlugi) oder Märkischheide (Weißagk) heißen dagegen bis heute so.

Anders sah es dagegen in Sachsen aus. Dort bekamen rund vier Fünftel der während der NS-Zeit umbenannten Orte ihre herkömmlichen Bezeichnungen zurück. Gero Lietz hat dazu ein Schreiben des Hoyerswerdaer Landrates Hans Werner vom Winter 1946 gefunden, in dem es heißt, dass mit den Rückbenennungen für Ruhe unter der sorbischen/wendischen Bevölkerung gesorgt werden solle. Grund waren Anschlussbegehren an die Tschechoslowakei. Laut Lietz sollten derartige Bestrebungen in Brandenburg unterbunden werden. Teilweise sei nach 1945 sogar die Existenz der slawischen Minderheit bestritten worden.

Darüber hinaus hätte die massive Veränderung der Bevölkerungsstruktur, bedingt durch die vielen Flüchtlinge aus den Ostgebieten, sowie Geldmangel eine Rückbenennung häufig verhindert. "Gebe es heute, also fast 70 Jahre nach Kriegsende, Bestrebungen nach Rückbenennungen, wäre diese sicherlich illusorisch", glaubt Gero Lietz. "Uns Namensforscher würde es aber freuen. Schließlich hängt an jeder Bezeichnung eine jahrhundertelange Geschichte."

Heutige Allerweltsnamen

Der Cottbuser Peter Meyer vertritt die Meinung, dass es heute noch immer die "Unsitte" der Verleihung unpassender Namen gebe. Während der Diskussion im Rahmen des Lietz-Vortrages nannte er als Beispiele die Gemeinden Teichland und Elsterheide. "Das sind doch Allerweltsnamen. Damit wird keine Tradition begründet." Stattdessen sollten sich Ortsnamensspezialisten an nur für die jeweilige Region ganz typischen Aspekten orientieren. "Denn Teichländer gibt es in Deutschland, und gerade in der Lausitz, wirklich reichlich", begründete Meyer.