Teilen mit der Ex? Das sehen Paare nach Trennung und Scheidung oft überhaupt nicht ein. So auch ein Rentner aus Mönchengladbach, der eine halbe Lottomillion am liebsten für sich behalten hätte. Geht aber nicht, befand am Mittwoch der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe.

Gemeinsam mit seiner neuen Lebensgefährtin hatte der Mann im November 2008 fast eine Million Euro gewonnen. Pech nur: Zum Zeitpunkt des Geldsegens war der frühere Kraftfahrer noch nicht von seiner Frau geschieden. Zwar lebte er da schon fast acht Jahre von ihr getrennt, aber teilen muss er seinen Anteil jetzt trotzdem mit der Ex-Frau, entschieden die Richter.

Ein subjektives Gerechtigkeitsempfinden spielt dabei zunächst keine Rolle, heißt es bei Experten. "Natürlich kann man argumentieren: Das ist gemein, das ist unfair", sagt Eva Becker, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein. "Aber es ist ähnlich wie bei Aktien, die vor den Terroranschlägen vom 11. September eine Million Euro wert waren und danach nur noch einen Cent. Das ist halt Schicksal." Alles bleibt also, wie es ist: Das während einer Ehe angesammelte Vermögen wird nach Zustellung des Scheidungsantrags gegeneinander aufgerechnet, der Überschuss geteilt - eine gute Nachricht im Sinne künftiger Scheidungspaare und ihrer Anwälte", so Becker. Diese Berechnung des Zugewinns erlaube klare Aussagen über das, was die Partner nach der Scheidung an Vermögen haben. Meist werde damit Geld und Gut fair geteilt: "Fälle wie der mit dem Lottogewinner aus Mönchengladbach sind absolute Ausnahmen", sagte Becker.

"Hätte der BGH anders entschieden, hätte er ein Tor aufgestoßen, das man nie mehr zukriegt", räumt auch Anwalt Wolfgang Hartung ein, der den 1944 geborenen Kraftfahrer aus Mönchengladbach in den ersten beiden Instanzen vertreten hatte. "Für meinen Mandanten tut es mir aber leid."

Uneingeschränkt freuen kann sich die Ex-Frau: Die 1949 geborene, ausgebildete Krankenschwester hatte in 38 Jahren Ehe drei Kinder großgezogen und kann nach zwei Hüftoperationen nicht mehr arbeiten. Ihr Mann zahlt ihr derzeit zwar noch 297 Euro Unterhalt im Monat, aber nur noch bis März kommenden Jahres.

Wenn der Rentner die Uhr zurückdrehen könnte - er würde es vermutlich tun: "Er hätte sich ja früher scheiden lassen oder einen vorgezogenen Zugewinnausgleich drei Jahre nach der Trennung machen können", sagt Peter Wassermann, der BGH-Anwalt der Frau. "Jetzt hat er halt Pech gehabt."