Nach 19 Jahren im Landtag, dessen Mitglied er seit dem 14. Oktober 1990 war, hatte sich Frank Werner für einen Neuanfang in seinem Leben entschieden und auf eine erneute Kandidatur verzichtet. In der Wendezeit aus dem öffentlichen Dienst in die Politik gestartet, hatte es das Recht auf Rückkehr zum Arbeitgeber erleichtert, das Wagnis Politik einzugehen. Dass seine Zeit im Parlament so lange währen sollte, hatte sich der in Elsterwerda geborene und in Plessa aufgewachsene Werner nicht träumen lassen. Bei seinem Abschied vom Landtag im Oktober 2009 hatte er zunächst noch offen gelassen, wohin ihn sein Weg in die Zukunft führen würde. Das ihm nach 19 Jahren des "Abgeordnetseins" in die Politik zustehende Übergangsgeld bot die Sicherheit, nichts überstürzen zu müssen. "Dass so mancher angenommen hatte, ich könnte gleich in die Rente gehen, trifft natürlich nicht zu", schmunzelt Frank Werner. Seit August dieses Jahres ist er im Bereich des Kulturamtes in den Kreismuseen in Bad Liebenwerda und Finsterwalde tätig. "Ich bin ein gelernter Kulturmensch. Natürlich freue ich mich, dass ich mein im öffentlichen Dienst ruhendes Arbeitsverhältnis nun gerade im Kulturamt wieder aufnehmen konnte", erklärt Frank Werner. Dabei ist der Wiedereinstieg durchaus mit einigen Anstrengungen verbunden. Denn für seine vorrangige Aufgabe, das Katalogisieren der Museumsbestände, muss er die Klippen eines neu angeschafften Computerprogrammes umschiffen und sich dieses zu eigen machen. Das sei für jemanden, der mit solcherart Technik nicht viel am Hut habe, gar nicht ohne. "Aber im Hause gibt es ja die IT-Spezialisten, die mir helfen, wenn es Probleme gibt", erklärt Frank Werner.

Heiligabend an der Orgel

Anders steht es um die Materie, die es in das Computersystem einzuspeisen gilt. Zu dieser hat der Kulturmensch eine innige Beziehung. Beim Gang durch die Dauerausstellung des Finsterwalder Kreismuseums nimmt Frank Werner sogleich Platz am Modell einer Sauer-Orgel. Im kommenden Jahr sind es 40 Jahre, in denen der 54-Jährige nunmehr als Organist in verschiedenen Kirchen der Region unterwegs ist. Am Heiligen Abend stehen drei Gottesdienste - in Plessa und Döllingen - in seinem Terminkalender. Obwohl Frank Werner seit einigen Jahren mit seiner Lebensgefährtin in Dobra wohnt, pflegt er seine Verbindungen in seinen Heimatort Plessa. Ob als Mitglied des Gemeindekirchenrates, des Kulturvereins oder als Vorstandsmitglied und Saxofonist im Orchester der Bergarbeiter Plessa - Frank Werner lebt die Kultur in ungezählten Stunden seiner Freizeit. Als Vorsitzender des Sängerkreises Bad Liebenwerda wurde er kürzlich ins Präsidium des Brandenburgischen Chorverbandes gewählt. "Da wollte ich eigentlich Nein sagen. Aber ich habe zu lange Luft geholt dafür. Als mich der Präsident des Chorverbandes anrief, da konnte ich nicht anders", erzählt er. Dass sein Parteikollege Jörg Schönbohm eben dieser Präsident ist, hat wohl auch eine Aktie an seinem Entschluss. Mit der großen Politik hingegen ist Frank Werner inzwischen auf Distanz gegangen. "In der ersten Zeit habe ich die Arbeit des Landtages noch aufmerksam verfolgt, zum Beispiel im Januar und Februar 2010 bei der Anhörung zur Volksinitiative ,Musische Bildung für alle' im Kulturausschuss und bei der Entscheidung im Landtag. Hier war ich ja einer der Erstunterzeichner. Da kam dann schon so etwas wie Wehmut auf", erinnert sich Werner. Doch inzwischen habe er genügend Abstand gewonnen zum aktiven politischen Leben. Tief sitzen noch immer die aus seiner Sicht dramatischen Auseinandersetzungen in der Kreis-CDU, wie beispielsweise die Wahl des Kreisvorsitzenden 2007, bei der er Michael Stübgen knapp unterlegen war. "Ich bin nach wie vor CDU-Mitglied, aber ich bin nicht mehr involviert in die Strukturen", bekennt Werner und nennt es eine gesunde Distanz. Beim Verfolgen der Landespolitik denke er naturgemäß mehr im Sinne der Opposition. "Aber auch die macht nicht immer alles richtig. Zum Beispiel muss man sich nicht über die Oppositionsrolle beklagen, wenn CDU-Führungsspitzen selbst dazu geraten hatten, in die Opposition zu gehen", denkt Werner zurück. Als herben Schlag der rot-roten Landespolitik betrachtet Frank Werner die Mittelkürzungen für die freien Schulen. Als Mitglied im Kuratorium der evangelischen Schulen in Doberlug-Kirchhain werde er sich weiter dagegen aussprechen.

Mitmischen in der Kurstadt

So ganz kann der Wahl-Dobraer ohnehin nicht lassen von der Politik. Als Stadtverordneter in Bad Liebenwerda mischt er auf der unteren Ebene weiter mit. Die nun gefundene Lösung in der Altanschließer-Problematik findet er als die bessere und gerechtere gegenüber dem Gebührenmodell. Und das, obwohl er selbst ein Grundstück in Plessa besitzt. "Seit ich im Museum hin und wieder am Tresen sitze und den Verkehr um den Lubwart-Turm unmittelbar erlebe, kann ich die Notwendigkeit einer Ortsumfahrung nur noch stärker unterstreichen", erzählt er weiter. Dass Frank Werner im Museum in Bad Liebenwerda bei Führungen durch die Graun-Ausstellung aus seinem Erfahrungsschatz rund um die Musik schöpfen und selbst als stellvertretender Vorsitzender der 2010 in Wahrenbrück gegründeten Graun-Gesellschaft sprechen kann, empfiehlt ihn für seine neue Aufgabe. Der Gründung einer Orgelakademie in Bad Liebenwerda sieht Frank Werner mit Optimismus entgegen. Am kommenden Montag könnte es bereits zur Gründung eines Vereins kommen.

Das Mittun in einer Reihe weiterer kultureller Vereine und Verbände rundet das Bild des praktizierenden Kulturmenschen Werner, als den er sich selbst vor allem empfindet, ab. Nach fast zwei Jahrzehnten als Berufspolitiker hat er seinen neuen beruflichen Anker nun im Kulturbetrieb in der Region gesetzt. Was könnte passender sein.