Mit über 100 Besuchern hat am Samstag die Euroregion Spree-Neiße-Bober im Forster Hof ihr 20-jähriges Jubiläum gefeiert. "Wir freuen uns, dass so viele Gäste der Einladung gefolgt sind", sagte Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (CDU) am Samstag in Forst. Mehrere Engagierte, darunter der Landrat, wurden für ihr Wirken für die Euroregion ausgezeichnet. Auch bat Landrat Harald Altekrüger um eine Schweigeminute für Helmut Moelle. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Euroregion war im Juli nach schwerer Krankheit verstorben.

Um den Teilnehmern zu den 20 Jahren geleisteter Arbeit zu gratulieren, war auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gekommen. "In den 20 Jahren seit Gründung der Euroregion haben viele konkrete Projekte maßgeblich dazu beigetragen, die gemeinsame Entwicklung der Grenzregion voranzutreiben", betonte Woidke. Er fügte hinzu: "Deutsche und Polen sind vielerorts längst mehr als Nachbarn, sie sind Freunde geworden. Das ist eines der wichtigsten Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit."

Zu den Aufgaben in den Euroregionen zählte Woidke die Stärkung der regionalen Wirtschaft und damit die Verbesserung des Lebensstandards diesseits und jenseits der Oder. Zudem gehe es aber auch um die gemeinsame Identität und das Gemeinschaftsgefühl in der Region. Als "ein besonders gutes Beispiel für grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Brand- und Katastrophenschutz" nannte Woidke den neuen deutsch-polnischen Feuerwehrstützpunkt in Groß Gas-

trose, der am Samstag von ihm eröffnet wurde.

Elzbieta Polak, Marschällin der Wojewodschaft Lubuskie/Lebuser Land, betonte, dass man in den vergangenen 20 Jahren Zeuge einer "unglaublichen Geschichte" geworden sei. "Aber es sind nicht nur die Verwaltungen und Ämter. Es sind vor allem die Kommunen, die Feuerwehren und die Kindergärten", so Polak. Viele kleine Projekte seien gemeinsam umsetzt worden. "Das ginge nicht ohne das Engagement der Menschen." Und auch weiterhin würden nur "Partnerschaft und gemeinsame Handlungen" es möglich machen, die gesetzten Ziele zu erreichen.

Als ein Kernbestandteil für die deutsch-polnische Versöhnung sieht Czeslaw Fiedorowicz die Zusammenarbeit in der Euroregion. "Sie hat uns die Chance gegeben, nachhaltige Beziehungen aufzubauen", so der Vorsitzende des Konventes der Euroregion. In Anspielung auf die drei Flüsse im Namen sagte Fiedorowicz: "Nicht die Flüsse sind unser Markenzeichen. Es sind die Menschen und die Fähigkeit, miteinander zu sprechen."

Dennoch sieht er auch für die Zukunft noch viele Herausforderungen. "Es gibt immer noch weniger Brücken als vor dem Zweiten Weltkrieg."

Auf das Datum der Gründung verwies Karl-Heinz-Lambertz, Ministerpräsident der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Euroregionen. "Ich weiß nicht, ob den Gründern das bewusst war. Aber der 21. September ist der Weltfriedenstag der Vereinten Nationen", so Lambertz. Grenzen könnten durch die Euroregionen einen verbindenden Charakter statt eines trennenden bekommen. Jedoch erfordere dies viel Arbeit. "Das größte zusammengesetzte Stück ist nur so groß wie sein schwächstes Teil", sagte er.

"Die Euroregion Spree-Neiße-Bober ist ein Vorreiter der Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Polen", so Christian Ehler (CDU), Mitglied des Euopäischen Parlamentes.

Nach den Worten Woidkes steht die Grenzregion auch in Zukunft vor großen Herausforderungen. Woidke nannte in diesem Zusammenhang die Sorge der Bürgerinnen und Bürger vor der Grenzkriminalität. "Wir nehmen diese Sorge sehr ernst", so der Ministerpräsident.