Es werde ein Abschied für immer, schrieb der Mosaik-Erfinder auf der letzten Seite dieser Nummer; im Glauben, ohne die Digedags lasse sich dieses Heft nicht fortführen, und sein, Hegens, Figuren-Trio sei mit diesem freiwilligen Abschied für immer von der Weltbühne abgetreten.Hegen irrte. Zwar musste der Verlag, um die Zeit bis zum Neubeginn mit anderen Figuren zu überbrücken, alte Hefte der Ritter-Runkel-Serie nachdrucken. Doch dann starteten die heute noch laufenden Abenteuer der Abrafaxe - vom harten Kern der Ur-Mosaik-Gemeinde freilich als schwacher Abklatsch gegeißelt, nicht des Beachtens wert.Anhänger der Reinen LehreAuf der "Gegenseite" entstanden Fanclubs wie der mosa.X Dresden, der das Erbe von Hegen, also Dig, Dag und Digedag, nicht nur pflegt wie den Heiligen Gral, sondern in seinem mosa.X-Fanzine (Fan-Heft) neue Episoden um die drei Kobolde veröffentlicht, gezeichnet von talentierten Liebhabern; ja, der (siehe rechts) sogar Serien wie die Saga vom Rübensteiner ("Ritter Runkel") neu- und fortzuschreiben versucht.mosa.X hat in der Hoyerswerdaer Brigitte-Reimann-Stadtbibliothek derzeit eine höchst sehenswerte Ausstellung zur Geschichte des Mosaik laufen. Mittwoch gab es dort einen Vortrag zum Thema von Carsten Münch. Der wusste, dass der Start des Mosaiks 1955 unter gutem Stern stand: Es sollte ja lehrreich-unterhaltsames Gegengewicht zur von West schwappenden Schund-Welle dummbunter Bildchen sein.Von Rumpelmännchen gelerntSo konnte Hegen einen perfekten Vertrag aushandeln: 22 500 DDR-Mark für zunächst vier Hefte pro Jahr (das DDR-Traum-Auto Wartburg 313-1 Sport kostete 1959 keine 20 000 Mark). Hegen ließ zudem festschreiben, dass die Rechte an allen Figuren bei ihm verblieben. So clever war er beim "Rumpelmännchen" nicht gewesen. Diese Figur hatte er für "'n Appel und 'n Ei" an den Sekundärrohstoffhandel verkauft, der heute noch damit wirbt. Das sollte ihm mit Dig, Dag und Digedag nicht wieder passieren! Dieses Exklusivrecht war später sein größtes Faustpfand, wenn er Ärger hatte, weil man ihm sein Mosaik politisieren; ja, gar zurechtgestutzt in die "Frösi" zwangs-eingemeinden wollte: Immer wieder setzte Hegen sich und sein Mosaik durch, das nun monatlich erschien, seinem Schöpfer statt der Pauschale 14 Prozent des Verkaufspreises der stets ausverkauften Auflage bescherte.Demnächst in Bautzen1975 aber, es gab wieder einmal Streit, angeblich um die Auflage, war nichts mehr zu kitten. Hegen warf hin. Das Mosaik existierte weiter; tut es bis heute und ist damit der älteste und auflagenstärkste "lebende" Comic deutscher Produktion. Aber ohne Digedags ist es irgendwie nicht mehr dasselbe, sagen die, die mit Ritter Runkel und der Amerika-Serie groß geworden sind. Nun, für alle sie gibt es ja mosa.X - und die Ausstellung der Reinen Hegen'schen Lehre, die noch bis zum 20. April in der Hoyerswerdaer Stadtbibliothek Dietrich-Bonhoeffer-Straße 6/7 zu sehen ist.