Die schmucken Altbauten in der Räschener Straße sind 100 Jahre alt. Jetzt bekommen sie einen hochmodernen Nachbarn. An der Ecke zur Finsterwalder Straße baut die eG Wohnen ein neues Mietshaus. Nicht nur der Stil des Gebäudes wird sich von der angrenzenden Bebauung in der Räschener Straße deutlich abheben.

Die Wohnungsbaugenossenschaft hat sich entschieden, den Neubau nach Passivhausstandard zu errichten. Damit entsteht in Cottbus das erste Mietshaus in Brandenburg, das diesen hohen Anspruch an die Energieeffizienz erfüllt. Rund 1,2 Millionen Euro investiert die eg Wohnen in das Projekt.

Kaum Wärmeverluste

Planer Martin Tiede vom Cottbuser Architekturbüro Hampel Kotzur & Kollegen erklärt, was den Neubau zum Passivhaus macht: „Das neue Gebäude bekommt eine besonders gut gedämmte und dichte Hülle, sodass Wärmeverluste so weit wie möglich vermieden werden. Allein die Dämmschicht wird 28 Zentimeter stark sein. Und die Fenster erhalten eine Dreifachverglasung.“ Wichtig sei auch die Nutzung von regenerativen Energien. „Das Gebäude in der Räschener Straße wird neben einer Gastherme eine kleine Solarthermieanlage bekommen“, sagt Martin Tiede. Eine große Rolle spiele für die besondere Energieeffizienz des Gebäudes auch die Nutzung von intelligenter Gebäudetechnik. In dem Neubau soll eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung installiert werden, die die Wohnungen angenehm temperiert und stets für frische Luft sorgt. „Die Anlage wird für jede der sieben Wohnungen dezentral gesteuert. Die Technik ist nicht kompliziert zu bedienen, und kein Mieter muss befürchten, dass er die Fenster nicht mehr öffnen darf“, betont der Planer.

Kosten werden wettgemacht

Die vergleichsweise höheren Investitionskosten, die die Ausstattung des Gebäudes nach Passivhausstandard mit sich bringen, würden durch niedrigere Folgekosten wettgemacht. „Angesichts der stetig steigenden Energiekosten gehen wir davon aus, dass sich die Investitionen in die umweltfreundliche und energiesparende Technik mehr als amortisieren werden. Immerhin ist die Lebensdauer des Gebäudes auf mindestens 100 Jahre ausgelegt“, sagt Arved Hartlich, der technische Vorstand der eG Wohnen.

„Die Genossenschaft baut gerne fortschrittlich. In allererster Linie müssen wir aber die Wirtschaftlichkeit eines Vorhabens im Auge behalten. Der Neubau darf die übrigen Genossenschaftsmitglieder nicht belasten und muss über die Miete refinanzierbar sein, erklärt er. Bei der Kalkulation des Projektes wurde deshalb darauf geachtet, dass der spätere Kaltmietpreis unter neun Euro pro Quadratmeter bleibt, damit sie für den Cottbuser Wohnungsmarkt nicht zu teuer werden. „Es gibt aber zu beachten, dass die etwas höheren Mietkosten in dem Passivhaus durch geringere Betriebskosten relativiert werden“, unterstreicht Arved Hartlich.

Hoffnung auf Mieter

„Wir als Wohnungsbaugenossenschaft wollen unseren Mitgliedern ein möglichst vielfältiges Angebot von Wohnraum bieten. Wir hoffen, dass wir mit dem Neubau in der Räschener Straße neue Mitglieder gewinnen können. Wir haben festgestellt, dass Neuzuzügler nach Cottbus auch größere Wohnungen mit besserem Standard nachfragen“, sagt er. „Eine Garantie, dass wir auf Dauer Mieter für das Passivhaus finden werden, haben wir nicht. Doch viele Indizien sprechen dafür, dass das Projekt ein wirtschaftlicher Erfolg werden kann“, gibt sich Arved Hartlich optimistisch. Einige Interessenten haben sich bereits bei der eG Wohnen gemeldet.