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Erste Steine fürs Menschenrechtszentrum

Bürgermeister Holger Kelch (CDU) legt gemeinsam mit der jungen Georgierin Naria Zezgiani die ersten Mauersteine. Fotos: Peggy Kompalla
Bürgermeister Holger Kelch (CDU) legt gemeinsam mit der jungen Georgierin Naria Zezgiani die ersten Mauersteine. Fotos: Peggy Kompalla
Cottbus. Mit dem Schließen der historischen Gefängnismauer hat am Montag der Umbau des Zuchthauses Cottbus zu einer Gedenkstätte begonnen. Zunächst sollen das Hafthaus 1 und das Torhaus hergerichtet werden. Dafür stehen dem Menschenrechtszentrum rund zwei Millionen Euro von Bund, Land und Sponsoren zur Verfügung. Von Peggy Kompalla

Das Fundament steht bereits. In den nächsten Tagen werden darauf 10 000 Ziegel gesetzt. Im Beton steht fast beschwichtigend: „An die Opfer politischer Verfolgungen 1933 bis 1945, 1945 bis 1989. Hier entsteht eine Gedenkstätte!“ Sylvia Wähling vom Menschenrechtszentrum hat diese Zeile in den noch frischen Zement geritzt. Es war ihr wichtig, schließlich könnten die Gefühle nicht gegensätzlicher sein. Da überwiegt zwar die Freude, dass nach vielen Jahren des Kämpfens diese Gefängnismauern zu einem Ort des Erinnerns werden. Aber den Anfang macht ausgerechnet ein Mauerbau.

Zu DDR-Zeiten saßen in Cottbus überwiegend Republikflüchtlinge und so genannte staatsfeindliche Hetzer ein – also politische Gefangene. Die meisten dürften die 900 000 Euro aus dem ehemaligen SED-Vermögen, die in das Projekt als Fördermittel fließen, für gut angelegtes Geld halten. „Wer hätte gedacht, dass wir hier einmal stehen werden und einen Ort des Gedenkens und der Bildung schaffen“, sagt Vereinschef Dieter Dombrowski. Er selbst war mehr als ein Jahr hinter diesen Mauern als Republikflüchtling weggesperrt.

Insgesamt stehen dem Menschenrechtszentrum laut Dieter Dombrowski rund zwei Millionen Euro zur Verfügung. Etwa 1,2 Millionen Euro fließen in den Umbau und die Sanierung. Den Anfang macht das Hafthaus 1. Zunächst muss das Dach erneuert werden. Dann folgt der Innenausbau. In der ehemaligen Küche entsteht Raum für eine Ausstellung. In den beiden Obergeschossen werden die Zellen gesichert. „Dort wollen wir zeigen, wie sich die Haftbedingungen über die Jahrzehnte verändert haben“, berichtet Sylvia Wähling.

In dem Gebäude gibt es dann auch Platz für weitere Vereine. „Damit daraus wirklich ein Zen trum wird“, sagt Sylvia Wähling und betont: „Wir wollen uns an diesem Ort mit allgemeinen Menschenrechtsfragen auseinandersetzen – nicht mit der DDR- und der Nazi-Zeit.“

Neben dem Hafthaus 1 wird nur das benachbarte Torhaus hergerichtet. Der Verein ist einen weiten Weg gegangen. Das Projekt war sogar schon fast begraben, als ein Privatinvestor das alte Gefängnisgelände erwarb. Die Empörung war groß, als er darauf ein Hostel bauen wollte. Mithilfe von Fördergeld konnte der Ort vom Verein zurückgekauft werden. Seit Mai 2011 ist das Menschenrechtszentrum der neue Eigentümer. Es dürfte in Deutschland einmalig sein, dass einstige politische Häftlinge den Ort ihres Leids besitzen. Denn die Mehrzahl der Vereinsmitglieder gehörte zu den mehr als 20 000 politischen Gefangenen in Cottbus.

Saskia Mosler aus Mannheim ist sich der Geschichte des Ortes bewusst. Die Studentin gehört zum elfköpfigen Trupp des Internationalen Bauordens, der das Menschenrechtszentrum mit einem zweiwöchigen Arbeitseinsatz unterstützt. „Es ist spannend, Geschichte auf diese Weise zu erleben, zumal wir auch ehemalige Häftlinge persönlich kennenlernen.“ Naira Lezgiani (24) aus Georgien versteht das Engagement der Häftlinge. „Man darf so etwas nicht vergessen“, sagt sie. „Genauso ist es für mich und mein Schicksal.“ Sie hat im Krieg ihre Eltern verloren, die Familie musste flüchten. Heute studiert sie Politikwissenschaften.