Es ist ein Blick in die tiefste Vergangenheit des Universums. Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ist die Landung eines Mini-Labors auf einem Kometen gelungen. Mehr als eine halbe Milliarde Kilometer von der Erde entfernt setzte das kühlschrankgroße Landegerät "Philae" am Mittwochnachmittag auf dem Himmelskörper "67P / Tschurjumow-Gerassimenko" auf. Im Satellitenkontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation Esa in Darmstadt löste die Premiere im All großen Jubel aus. Das Labor war an Bord der Raumsonde "Rosetta" zehn Jahre lang zu dem Kometen mit dem Spitznamen "Tschuri" gereist. Am Mittwochmorgen war das Labor von seinem "Taxi" gelöst worden. Die erste Landung auf einem Kometen feiern Experten als Meilenstein der Raumfahrt.

Aber jetzt geht die eigentliche Arbeit erst richtig los. Wissenschaftler sind gespannt, welche Geheimnisse sie dem Himmelskörper "Tschuri" entlocken können. Bodenbeschaffenheit, Temperatur oder die Zusammensetzung des Kometenkerns - all das ist von größtem Interesse. Damit wollen die Forscher zur Lösung eines alten Rätsels beitragen: "Es ist eher die Frage:,Wo kommen wir her?' statt ,Wo gehen wir hin?' ", sagt Stephan Ulamec, "Philae"-Projektleiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln.

Kometen sind mehrere Milliarden Jahre alt und stammen aus der Anfangszeit unseres Sonnensystems. "Alles, was wir bekommen, ist für die Wissenschaftler eine Fundgrube", sagt DLR-Sprecherin Manuela Braun. "Der Komet kommt aus besonders kalten Regionen, hat die Urmaterie wie ein Kühlschrank konserviert." Selbst wenn es nicht so viele Informationen geben sollte wie erwartet, "wäre es trotzdem toll", meint Braun. Denn es sei ja schließlich die erste Landung auf einem Kometen und damit auch der erste direkte Kontakt zum Untersuchungsobjekt.

Das DLR ist verantwortlich für das Labor "Philae". Bei der Annäherung an den Kometen haben die Experten schon einiges herausgefunden: Der Bote aus der Vergangenheit stinkt nach faulen Eiern und Pferdestall, es ist dort dunkler als im Kohlenkeller und bitterkalt.

"Wir haben die Ursubstanz des Sonnensystems unter Beobachtung", erläutert Systemingenieur Rüdiger Gerndt, der für Airbus mit "Philae" befasst war.

"Wir können dann vielleicht auch etwas zu dem Verständnis beitragen, wie Leben auf der Erde entstanden ist", hofft der Kometenexperte der Europäischen Weltraumagentur (Esa), Gerhard Schwehm. Dass sie vor langer Zeit Moleküle auf die Erde brachten, könne als gesichert angenommen werden. "Haben Kometen aber damit auch einen Beitrag dazu geleistet, dass sich Leben auf der Erde entwickelte?", umschreibt Schwehm die Frage, die beantwortet werden soll.

"Philae" hat zehn Instrumente an Bord, um "Tschuri" zu untersuchen: etwa "Mupus", um die Temperatur des Kometen zu erforschen. Oder "Sesame", eine Art Echolot in den drei Füßen des Landers. Auch für den Kometenexperten Schwehm bleibt es eher bei einem Blick in die Vergangenheit. "Das ist unsere menschliche Neugier, dass wir auf ,Tschuri' sind. Wir wollen einen Blick in die Kinderstube des Sonnensystems werfen. Kometen sind dafür der einzige Zugang."

Eine Schlussfolgerung für die Zukunft der Menschheit und die Erde lasse sich aus den Erkenntnissen über "Tschuri" vermutlich eher nur schwer ableiten.