Der Sprecher der Eltern sagte, die Nachricht - wenn sie denn stimme - sei "enttäuschend". Eine offizielle Auswertung des Fotos liegt noch nicht vor. Es sei "offensichtlich", dass es sich nicht um Madeleine handelt, sagte Rashid Razaq, Journalist des "Evening Standard", der das Mädchen auf dem Foto nach eigenen Angaben in Wirklichkeit sah. "Sie hat Ähnlichkeit mit Madeleine. Aber wenn man sie aus der Nähe betrachtet, ist es offensichtlich, dass sie es nicht ist."
Vielmehr sei es nach Angaben von Dorfbewohnern die fünf Jahre alte Bushra Binhisa, Tochter eines Olivenbauern. Ein spanischer Journalist sagte dagegen, die Kleine auf dem Foto sei die Tochter einer Berber-Familie.
Das Foto zeigt ein mittelblondes Kind auf dem Rücken einer stämmigen Frau mit Hut. Aufgenommen hatte es eine Urlauberin aus Spanien im Norden Marokkos nahe der Stadt Zinat am 31. August. Erst zu Hause habe sie am Computer eine Ähnlichkeit des zufällig fotografierten Kindes mit der vermissten "Maddie" erkannt. Das Bild sei auch Interpol übergeben worden, teilte die spanische Polizei mit. Experten hatten jedoch Zweifel an der Auswertbarkeit des verschwommenen Bildes.
Die Eltern Kate und Gerry McCann (beide 39) seien erneut "auf eine emotionale Achterbahn" geschickt worden, sagte Sprecher Clarence Mitchell vor der Nachricht, dass es sich nicht um "Maddie" handle. Sie würden voller Ungeduld und Unruhe auf die Auswertung des Fotos warten und hätten das Bild Experten mit der Bitte übergeben, es so schnell wie möglich zu analysieren.
Nach britischen Medienangaben sollte das Bild von Spezialisten des britischen Zentrums gegen Kinderausbeutung und für Online-Schutz (CEOP) ausgewertet werden. Dort werden bereits Fotos, die Urlauber in der Algarve zur Zeit der mutmaßlichen Entführung von Madeleine gemacht hatten, mit einem digitalen Verfahren analysiert. Damit sollen Hinweise auf mögliche Entführer des Mädchens gewonnen werden. Madeleine verschwand am 3. Mai aus der Ferienwohnung an der Algarve-Küste.
In den vergangenen Tagen hatte es mehrfach Berichte gegeben, wonach ein kleines Mädchen, auf das die Beschreibung Madeleines passen würde, in Marokko gesehen worden sei. Zuvor waren Dutzende ähnlicher Meldungen aus anderen Ländern eingegangen. Allerdings hatte es bisher kein Foto eines Kindes gegeben, das ihr ähnlich ist.
Die Spanierin Clara Torres berichtete, das Foto gehörte zu einer Serie von Bildern, die in Marokko aus einem Fahrzeug heraus aufgenommen wurden. Sie habe die Bilder zunächst nicht weiter beachtet. Erst nachdem sie gehört habe, dass Madeleine sich in Marokko befinden könnte, habe sie die Urlaubsfotos auf einen Computer heruntergeladen. Als sie die Ähnlichkeit bemerkte, habe sie die Behörden informiert.
Der Psychologe Rob Jenkins von der Universität Glasgow warnte vor "Wunschdenken" und voreiligen Schlüssen. Es gebe "Tausende Mädchen, die Madeleine ähnlich sehen". Es sei zudem sehr schwierig, anhand von Fotos zu sagen, ob es sich wirklich um ein und dasselbe Kind handele.
(dpa/uf)