"Der Schlag war heftig, und danach hat es uns gut durchgeschüttelt." Zusammen mit zwei Kollegen war Borissenko am 10. April in einer Sojus-Kapsel von einem gut sechsmonatigen Aufenthalt im All zurückgekehrt.

Trotz des ruppigen Landemanövers in der kasachischen Steppe verlief die Rückkehr zur Erde vergleichsweise glimpflich. Die erste Landung einer bemannten Sojus-Kapsel vor 50 Jahren endete hingegen in einem Debakel. Der Kosmonaut Wladimir Komarow kam dabei als erster Mensch auf einem Raumflug ums Leben, weil sich der Fallschirm nicht geöffnet hatte.

Mit rund 50 Metern pro Sekunde (180 km/h) rast Komarows Raumkapsel damals nahezu ungebremst wie ein Meteorit auf die Erde. Die Wucht des Aufpralls zerschmettert die sowjetische "Sojus 1". Für den erfahrenen Kosmonauten Komarow wird sie zum Grab. Das Unglück vom 24. April 1967 ist ein schwerer Rückschlag für die ambitionierte sowjetische Raumfahrt. Es kommt in der Hochzeit des Wettlaufs im All mit den USA. Das kosmische Rennen zwischen Ost und West prägt in dieser Zeit den Kalten Krieg.

Die Sowjet-Führung in Moskau hat das Ziel ausgerufen, als erstes Land den Mond mit einem bemannten Raumschiff zu umrunden und später auf dem Erdtrabanten zu landen. Unter Hochdruck entwickeln Ingenieure den neuen Raumschiff-Typ Sojus (deutsch: Union), das dritte bemannte Modell nach Wostok und Woschod.

Nach Komarows tragischem Tod räumt der damals beteiligte Ingenieur Boris Tschertok ein: "Was Komarow passiert ist, war unser Fehler. Wir haben ihn zu früh losgeschickt. Die Sojus war noch nicht ausgereift." Trotz des tragischen Jungfernflugs und eines weiteren Unfalls 1971, bei dem drei Kosmonauten umkommen, entwickelt sich die Sojus zu einer der größten Erfolgsgeschichten der sowjetischen und russischen Raumfahrt.

Bis heute nutzt Russland Sojus-Raketen und -Kapseln in abgewandelter Form als "Arbeitspferd" bei der Erkundung des Alls. Auch deutsche Raumfahrergrößen flogen mit Sojus-Raketen zu den Sternen. 1978 startete der erste deutsche Raumfahrer Sigmund Jähn vom Weltraumbahnhof Baikonur aus mit einer Sojus. Danach nutzten etwa Ulf Merbold, Thomas Reiter und zuletzt Alexander Gerst das russische "Taxi ins All". Auch Gersts nächster Flug zur Raumstation ISS 2018 ist mit einer Sojus geplant.