Gestellt wird die Frage erst am Ende der Diskussion. "Halten Sie es im 21. Jahrhundert für zeitgemäß, dass Bürger aus ihren Dörfern vertrieben werden?", fragt Peter Jeschke, Bürgermeister der Großgemeinde Schenkendöbern. Damit spricht er an, wovor viele Bürger seiner Gemeinde Angst haben. Wird der Tagebau Jänschwalde-Nord Wirklichkeit, müssen mehr als 900 Einwohner aus drei Orten umgesiedelt werden.

Die Antworten der Kandidaten, die am 22. September im Wahlkreis 64 (Spree-Neiße/Cottbus) gegeneinander antreten, sind nicht überraschend: Für Ulrich Freese (SPD), stellvertretender Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE), ist klar, dass fossile Energieträger auch künftig für die Absicherung der Grundlastversorgung in Deutschland unverzichtbar sind. Martin Neumann (FDP) plädiert für einen subventionsfreien Energiemix und eine sachliche Diskussion. Klaus-Peter Schulze (CDU) betont, dass Umsiedlungen unter heutigen Bedingungen anders verlaufen als noch vor 30 Jahren. Allerdings muss die Thematik Randbetroffenheit aus seiner Sicht endlich gesetzlich geregelt werden. Den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung fordern Wolfgang Neskovic (parteilos) und Wolfgang Renner (Grüne).

Auch Birgit Wöllert (Linke) setzt auf Alternativen zur Kohle. Die Verockerung der Flüsse und die Rutschgefahr an den Tagebaukanten seien nicht vorhersehbar gewesen. "Die Braunkohle sollte als Bodenschatz künftig als Schatz im Boden bleiben", betont sie.

An das gebrochene Wahlversprechen der Linken vor vier Jahren erinnert Wilfried Buder aus Groß Gastrose. "Nach der Wahl hieß es, diese Kröte müssen wir schlucken", sagt er.

"Was glauben Sie denn, welche Unternehmen sich im Gubener Industriegebiet Süd ansiedeln, wenn gleich nebenan ein Tagebau ist?", will Gert Richter aus Deulowitz wissen. Ulrich Freese ist davon überzeugt, dass dort, wo "industrieller Besatz" ist, auch noch mehr hinkommt. "Das ist eine Philosophie, nach der unternehmerische Entscheidungen getroffen werden", begründet er.

Beim Thema Arbeitsplätze gehen die Meinungen der Bundestagskandidaten weit auseinander. Klaus-Peter Schulze fragt sich, welche Industriearbeitsplätze in der Lausitz denn nach der Kohle folgen sollen. Wolfgang Renner ist sich sicher, dass Fachleute, die eine Förderbrücke bauen, "auch etwas anderes machen können". Birgit Wöllert weist auf den Wandel in der Arbeitswelt hin zu Dienstleistungsberufen.

Pfarrer Mathias Berndt aus Atterwasch moderiert das Forum, das von der Klinger Runde, dem Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit der Agenda 21 der Gemeinde Schenkendöbern und Umweltverbänden organisiert wurde. Immer wieder muss er die Kandidaten an die Beschränkung der Redezeit auf zwei Minuten erinnern. Sind diese abgelaufen, lässt er ein Glöckchen erst sacht, dann immer deutlicher erklingen. An die Bürger richtet er mehrmals den Appell, auch die Meinung anderer zu akzeptieren.

Thomas Burchardt von der Klinger Runde will zum Abschluss der zweistündigen Veranstaltung von den Kandidaten wissen, welches Bild der Lausitz sie im Bundestag vermitteln wollen. Das Spektrum der Antworten reicht von "einer Region, die sich aus eigener Kraft weiterentwickelt" (Freese), über eine Lausitz mit einer "forschungsstarken Uni" (Neumann) bis hin zu einer beispielhaften "Kohle-Folgelandschaft" (Renner) und zu einer Heimat, die man nicht verkauft, sondern verteidigt (Neskovic).