Von Jan Lehmann

Diese Kampfansage kommt ganz tief aus der Seele eines Fußballtrainers. Steffen Rietschel, Chefcoach vom FSV Glückauf Brieske Senftenberg, sagt vor dem Testspiel der Knappen gegen Energie Cottbus am Dienstag (18.30 Uhr/RUNDSCHAU-Liveticker) voller Inbrunst: „Wir spielen auf Sieg.“ Zudem bewirbt der FSV die Partie im Zuge der Festwoche zum 100. Vereinsgeburtstag in den sozialen Netzwerken mit dem optimistischen Schlagwort #FSVHeimsieg.

Wie ernst meint Brieske diese Kampfansage? Steffen Rietschel muss schmunzeln. Obwohl Energie nach dem Abstieg nun als Regionalligist aufdribbelt, sagt er: „Natürlich ist Energie der klare Favorit.“ Proficlub gegen Landesligist, vierte gegen siebte Liga – dieser Unterschied sollte tatsächlich zu erkennen sein.

Letzter Erfolg gegen Energie über 40 Jahre her

Und dennoch: Für Brieske hätte es wohl kaum einen besseren Zeitpunkt geben können, um wenigstens ein bisschen vom Sieg gegen den großen Lausitzer Rivalen träumen zu können. Das letzte Pflichtspiel beider Teams fand 1996 in Brieske statt. Im Viertelfinale des Brandenburger Landespokals  gewann Energie mit 3:1. Der letzte  Briesker Erfolg ist im RUNDSCHAU-Archiv dagegen erst im Juni 1974 zu finden. Damals gab es ein 3:1 in der Toto-Sonderrunde des DDR-Fußballs.

Gibt es den ersten Sieg seit 45 Jahren? Während die Senftenberger gerade erst die Landesliga-Saison als Tabellendritter erfolgreich abgeschlossen haben, befindet sich der FCE in einer Findungsphase. Trainer Claus-Dieter Wollitz muss die neue Mannschaft formen. Angesichts der ungewissen Mischung aus Jungprofis und einigen Probespielern ist kaum vorhersagbar, welche Qualität Energie tatsächlich auf den Platz bringen kann. Das klare 15:0 am Samstag im ersten Test beim Neuntligisten Union Frankfurt hatte kaum Aussagekraft.

Offene Rechnung zwischen Brieske und Energie Cottbus

Und in Brieske ist noch eine alte Rechnung offen. In den 1960er-Jahren mussten auf Geheiß der SED die besten Senftenberger Spieler zum neu gründeten SC Cottbus, der späteren BSG Energie, wechseln. Für den Briesker Fußball, der damals DDR-weit gut unterwegs war, ein schwerer Schlag. Auch wenn Klaus Stabach, erst Brieske-Spieler und dann Kapitän und Manager bei Energie, unlängst gegenüber der RUNDSCHAU verriet: „Jeder durfte selbst entscheiden, einige sind ja auch in Senftenberg geblieben. Aber ganz ehrlich: Ich war heilfroh, dass es nach Cottbus ging. Die Bedingungen für uns Fußballer waren dort eindeutig besser.“ Brieske-Coach Rietschel findet: „Das sind doch ganz alte Geschichten, die sind ja schon ein Menschenleben her.“ Und trotzdem gibt er zu: „Eine gewisse Rivalität ist vielleicht vorhanden. Aber über den Abstieg von Energie hat sich hier bei uns gewiss keiner gefreut, auch wenn wir in Senftenberg natürlich genau auf der Grenze zwischen Energie und Dynamo leben.“

Der Dresdner Zweitligist war schon zu Gast und gewann im Mai vor 1000 Zuschauern nur knapp mit 4:3. Für Energie sollte das also eine Warnung sein, wenngleich Rietschel betont: „Wir wollen alle Spieler einsetzen und werden nicht immer die beste Elf auf dem Platz haben.“ Er betonte, dass das Ergebnis für ihn zweitrangig sei. Stattdessen wolle man den Gegner mit dem nötigen Respekt empfangen. „Wir wollen bei Energie nichts kaputt machen“, so Rietschel, der zumindest ein kleines Ziel ausgibt: „Wenigstens ein Tor wollen wir schießen, das ist uns wichtig.“ Ganz ohne Kampfansage geht es bei den Duellen zwischen Brieske und Energie eben nicht.

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