So perfekt wie Energie Cottbus hat wahrscheinlich noch keine Fußballmannschaft das ­Vereinsmotto der Sportfreunde Lotte umgesetzt. „Volle Lotte“ steht in großen Buchstaben über dem Spielerausgang, durch den es raus auf den Rasen des Frimo-Stadions geht. Beim 3:0 (0:0)-Auswärtssieg des FCE am Ostersonntag schlug es innerhalb von neun Minuten gleich drei Mal im Tor der Gastgeber ein. Und zwar volle Lotte – denn alle drei Treffer fielen durch Distanzschüsse.

Fans feiern die Mannschaft

„Es ist ein Befreiungsschlag. Wir sind nach wie vor unten drin – so wie viele andere Mannschaften auch. Deshalb war es extrem wichtig, diese drei Punkte zu holen“, freute sich Lasse Schlüter. Er hatte die Gäste vor 2012 Zuschauern in der 58. Minute mit einem Frei­stoß in Führung gebracht. Ebenfalls mit Distanzschüssen erhöhten Kevin Weidlich (61.) und Fabio Viteritti (67.) zum 3:0-Endstand.

Energie verließ zumindest vorübergehend die Abstiegsränge der 3. Fußball-Liga. Entsprechend groß war die Erleichterung. Die Mannschaft wurden von den mitgereisten Fans gefeiert, Präsident Werner Fahle klatschte mit den Spielern auf dem Rasen ab und Claus-Dieter Wollitz strahlte im Kreis seiner ­Familie samt Enkelkindern. „Das war für uns ein sehr wichtiges Ostergeschenk“, erklärte der Coach.

Das Bemerkenswerte an diesem Auswärtssieg war neben den wich­tigen drei Punkten die Art und ­Weise, mit der Energie in Lotte zum Erfolg kam. In den vergangenen ­Wochen wurde der Aufsteiger meistens für seinen Kombinationsfußball gelobt. Er war zwar schön anzusehen, brachte aber nicht die gewünschte Punktausbeute. Weil am Ende eben nicht die Anzahl der Querpässe, ­sondern die Tore zählen.

In der ersten Halbzeit probierte es der FCE zwar auch in Lotte mit Kombinationen. Aber sie endeten mit schmerzhafter Regelmäßigkeit am gegnerischen Strafraum und waren deshalb brotlose Kunst. In der zweiten Halbzeit wurde es dann aus Gäste-Sicht aber richtig lecker. Und so mancher Spieler staunte nach dem Schlusspfiff immer noch, wie einfach es mit dem Volle-Lotte-­Prinzip plötzlich geht. „Ich wurde angespielt, ein Kontakt und dann habe ich einfach abge­zogen“, ­fasste ­Kapitän Kevin  Weidlich seinen ­Treffer zusammen.

Und Fabio Viteritti erklärte: „Die Jungs sagen immer wieder zu mir: ,Schieß aufs Tor, schieß aufs Tor!‘ Ich habe allen Mut zusammen­genommen und das Ding einfach reingehauen.“

Bester Schütze verletzt

Dabei war mit Marcelo de Freitas der Distanzschütze vom Dienst gar nicht dabei. Er fehlte aufgrund einer Oberschenkelverletzung. In den vergangenen Partien hatte es Marcelo immer wieder aus der Distanz ­probiert, wurde aber oft von den Gegnern geblockt. Lediglich beim 4:3-Sieg gegen Fortuna Köln hatte der Brasilianer Erfolg und zimmerte den Ball in den Winkel.

In jedem Fall hat Energie sein eigenes Repertoire mit dem ­Volle-Lotte-Prinzip deutlich erweitert, was sich in den verbleibenden vier Partien als ziemlich wertvoll erweisen könnte, weil das Team damit schwerer auszurechnen ist.

Die von der Mannschaft erhoffte Belohnung für den öster­lichen Tore- und Punkte-Dreierpack gab es ­übrigens nicht. Noch in der Kabine lehnte Claus-Dieter Wollitz den Wunsch der Spieler nach einem freien Montag kategorisch ab. Bis zum Heimspiel am Samstag gegen den frisch gebackenen Zweitliga-Aufsteiger VfL Osnabrück (14 Uhr) wird jeden Tag trainiert. „Ich habe den Jungs gesagt: ‚Unsere Geschichte ist erst dann eine Geschichte, wenn wir den Klassenerhalt geschafft haben. Dann haben wir in den vergangenen drei Jahren gemeinsam etwas aufgebaut‘“, betont Wollitz mit Blick auf die beiden Jahre in der Regional­liga sowie dem Aufstieg im Mai 2018.

Bildergalerie Lotte, Deutschland, 21. April 2019:.3. Liga - 18/19 - Sportfreunde Lotte vs. FC Energie Cottbus

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