Diese Einrichtung dürfte ganz nach dem Geschmack von Fußballfans sein, in diesem Fall ganz besonders der eisernen Anhänger des Köpenicker Klubs. Fußballertrikots aus aller Welt hängen an den Wänden und an der Decke. Ultras des 1. FC Union haben mit Graffitikunst bei der Gestaltung geholfen. Am Tresen nehmen die Gäste auf Barhockern mit knallig roter Polsterung Platz. Auf einem hat Deutschlands Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bei einem Besuch seine Unterschrift hinterlassen.

Zum Stadion An der Alten Försterei sind es nur ein paar Minuten

Im vergangenen Oktober haben Union-Fan Thomas Lehmann, die in der Gastronomie erfahrene Melanie Gudereit und der frühere Fußballprofi Torsten Mattuschka gemeinsam eine Fußballkneipe in Berlin-Köpenick eröffnet. Dafür übernahmen sie mitten in der Corona-Pandemie die Räume Am Generalshof 3–5 nahe der Bahnhofstraße.
Nur wenige Minuten zu Fuß sind es von dort bis zur Köpenicker Altstadt und zum Stadion An der Alten Försterei. Zuvor befand sich dort die Kneipe „Coe“, die jedoch schließen musste. Danach herrschte mehr als ein Jahr Leerstand.

Die alte Rückennummer findet sich im Kneipen-Namen

Mit viel Unterstützung von Freunden und Bekannten wurde die gesamte Kneipe komplett entkernt und neugestaltet. Zu den Aufgaben von Torsten Mattuschka gehörte dabei, die Wände zu streichen, denn vor seinem Durchbruch als Profifußballer hatte er eine Ausbildung zum Maler und Lackierer gemacht.
Fußballtrikots aus aller Welt hängen an den Wänden und an der Decke – das ist das richtige Ambiente für die Gäste in „Tusches Kick & Rush 17“ – der Kneipe von Torsten Mattuschka, dem früheren Fußballprofi des 1. FC Union Berlin.
Fußballtrikots aus aller Welt hängen an den Wänden und an der Decke – das ist das richtige Ambiente für die Gäste in „Tusches Kick & Rush 17“ – der Kneipe von Torsten Mattuschka, dem früheren Fußballprofi des 1. FC Union Berlin.
© Foto: Philipp Hartmann
„Wir sind bewusst dieses Risiko eingegangen und wollten einfach ein positives Signal setzen, dass man in dieser schwierigen Zeit auch ein Business aufmachen und Arbeitsplätze schaffen kann“, sagt er. Im „Tusches Kick & Rush 17“, so der Name der Kneipe (Mattuschkas frühere Trikotnummer war die 17), werden nun regelmäßig Fußballspiele, aber auch andere Sportarten übertragen.

Gebürtiger Cottbusser bezeichnet sich als Dorfkind

Auch Nicht-Union-Fans sind willkommen. Es finden Darts-Turniere und Quizabende statt, oft mit ehemaligen Union-Spielern. So oft es ihm zeitlich möglich ist, ist Mattuschka selbst anwesend, denn viele Gäste kommen auch seinetwegen. „Die Leute freuen sich, mit mir einen coolen Abend zu verbringen.“ Die Gastronomie sei ihm nicht fremd, denn seine Großeltern hätten einst in der Lausitz eine Kneipe gehabt. Sich selbst bezeichnet der gebürtige Cottbusser deshalb als „Kneipenkind“ und „Dorfkind“.
Bis heute ist Torsten Mattuschka mittlerweile 41, der 2018 seine Karriere als Fußballspieler beendet hat, bei den Union-Fans sehr beliebt. Das begründet er unter anderem damit, dass er immer auf dem Boden geblieben sei. Wie kaum ein anderer Spieler hat „Tusche“, wie er von allen nur genannt wird, seine Spuren beim 1. FC Union hinterlassen. Von 2005 bis 2014, von der Oberliga Nordost bis zur Etablierung in der 2. Bundesliga, spielte er für den Verein, war Mannschaftskapitän, absolvierte 272 Spiele und schoss 60 Tore.

Ein Siegtor gegen Hertha BSC ist für die Ewigkeit

Das wichtigste seiner Karriere war das 2:1-Siegtor im Derby gegen Hertha BSC am 5. Februar 2011 im Olympiastadion. Darauf wird er auch elf Jahre später immer wieder angesprochen. „Das war fast der schlechteste Freistoß, den ich je geschossen habe, aber von der Bedeutung her der wichtigste“, blickt er gern auf diesen Moment zurück. Bei den Union-Fans erlangte er spätestens mit diesem Tor Kultstatus.
Einen eigenen Fangesang hatten die Anhänger ihm schon zuvor gewidmet. Noch heute stimmen sie im Stadion vor einem Freistoß das „Mattuschka-Lied“ an. „Das erfüllt mich extrem mit Stolz, wenn die Leute das heute noch singen. Da bekomme ich jedes Mal Gänsehaut.“

Karriere wäre im heutigen Fußball nicht mehr möglich

Dass die Fans ihn bis heute nicht vergessen haben, sei ihm viel wichtiger als Pokalgewinne. Die erfolgsreichste Zeit des 1. FC Union, der seit 2019 in der Bundesliga spielt, hat er als Spieler nicht mehr miterleben dürfen. Traurig sei er deshalb aber nicht. Vielmehr sei er stolz darauf, dass er mit seinen früheren Teamkollegen damals die Grundlagen für den späteren Aufstieg geschaffen habe. „Standardsituationen waren meine Waffe. Ich hatte aber nie die Schnelligkeit und Dynamik, die man gebraucht hätte, um in der 1. Liga zu spielen“, gibt er zu. Letztlich durfte er nur viermal in der höchsten Spielklasse auflaufen – für seinen Ausbildungsklub Energie Cottbus, zu dem er später noch einmal zurückkehrte. Eine Karriere wie seine sei in der heutigen Fußballwelt gar nicht mehr möglich, schätzt er ein.

Die Eisernen peilen dritten Derby-Sieg der Saison an

Aus der aktuellen Union-Mannschaft kennt Tusche zwei Spieler noch persönlich. Mit Sven Michel hat er bei Energie Cottbus zusammengespielt, mit Christopher Trimmel bei Union eine Saisonvorbereitung absolviert, bevor er 2014 den Verein verließ. So oft es geht verfolgt er die Spiele des 1. FC Union, dem er als offizieller Vereinsbotschafter weiterhin eng verbunden bleibt, selbst im Stadion.
Ein gefragter Mann ist Torsten Mattuschka auch beim TV-Sender Sky, für den er regelmäßig als Experte und Co-Kommentator für die 2. Liga im Einsatz ist. Außerdem arbeitet er seit 2018 als Co-Trainer bei der VSG Altglienicke, die kürzlich das Finale des Berliner Landespokals erreicht hat.
Seine Eisernen treffen am Sonnabend (9. April) im Olympiastadion wieder einmal auf Hertha BSC. Nach den Siegen in der Hinrunde und im Pokal wollen sie natürlich auch das dritte Derby der Saison gewinnen und ihre Vormachtstellung in der Hauptstadt untermauern. Das wäre ein Grund mehr, in „Tusches“ Kneipe zu feiern.