Im Interview spricht er über psychische Probleme im Profisport.

Heiko Sill, überrascht es Sie, dass mit dem Cottbuser Martin Fenin ein weiterer Profifußballer mit seiner Krankheit Depression an die Öffentlichkeit gegangenen ist?

Nach den Ereignissen um Robert Enke und Ralf Rangnick sind Spieler und Vereine sensibler geworden. Die Symptome psychischer Erschöpfung werden derzeit ernster genommen. Das ist schon überraschend für einen Sport, wo depressiv geneigte Spieler gern als Weicheier und Memmen verspottet wurden.

Registrieren Sie in der täglichen Praxis eine Zunahme von psychischen Erkrankungen im Sport?

Ja und nein. Der Leistungsdruck ist erheblich gestiegen und damit auch die Wahrscheinlichkeit, subjektiv den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen. Andererseits ermuntert der momentane öffentliche Zuspruch viele ähnlich empfindende Sportler zu einem öffentlichen Bekenntnis.

Was empfehlen Sie Sportlern, die an Depression erkrankt sind?

Es gibt kein Patentrezept. Ein öffentliches Bekenntnis kann erleichtern, aber auch dem Spieler ein Image verpassen, auf das von gegnerischen Fans gnadenlos Bezug genommen wird. Nicht jeder ist wie Oli Kahn in der Lage, an Häme auch noch zu wachsen.

Wie beurteilen Sie die Chance auf eine Fortsetzung der Karriere?

Aus der Ferne ist da keine Prognose möglich. Leider ist die Genesung nicht nur vom guten Willen des Spielers abhängig, sondern von komplizierten Stoffwechselprozessen im Großhirn. Man kann Martin Fenin nur Ärzte wünschen, die dieser Komplexität nicht mit dem falschen Medikament begegnen.