Wenn diese Zeilen hier über die aktuelle Personal­situation bei Energie Cottbus entstehen beziehungsweise gelesen werden, dann sind sie möglicherweise schon wieder überholt. Man weiß das in diesen Tagen  nicht so genau.

Denn nach dem Abstieg aus der 3. Fußball-Liga steht der FCE vor einem kompletten Neuaufbau. Insgesamt 16 Spieler des Teams der vergangenen Saison haben den Verein inzwischen verlassen. Beim 15:0 (5:0)-Sieg am Samstag gegen Union Frankfurt zeigte Energie Cottbus zum ersten Mal sein neues Gesicht. Es war ein auf vielen Positionen verändertes und vor allem sehr junges Gesicht. Dass mit Moritz Broschinski ein 18-jähriger Youngster mit vier ­Treffern zum erfolgreichsten Torschützen avancierte, passte ins Bild des neuen, jungen FCE.

Der Neuaufbau der Mannschaft hat gewissermaßen gerade einmal die Pubertät erreicht – wenn überhaupt.  Um die vom Verein ausgerufene „Mission Wiederaufstieg“ zu realisieren, braucht es nach Auf­fassung von Trainer Claus-Dieter Wollitz – um im Bild zu bleiben – noch einige gestandene Manns­bilder. „Mit einem 15:0-Sieg sollte man am Anfang der Vorbereitung zufrieden sein. Aber es fehlen uns noch einige Spieler mit Topqualität, um einigermaßen stabil eine solche Mission anzugehen“, erklärt Wollitz.

Dass sich der Verein praktisch ohne eine existierende Mannschaft schon so frühzeitig auf diese ­„Mission Wiederaufstieg“ festgelegt hatte, sieht der Coach mit, nennen wir es mal nachdenklicher Skepsis. „Im Moment sehe ich nicht, dass wir die Mission erfüllen können.  Wenn es so kommen würde, dann würde ich mich riesig freuen und meine Sicht gern korrigieren. Aktuell gehe ich vom Ist-Zustand aus“, warnt Wollitz.

Beim Aufgalopp gegen den Neuntligisten Frankfurt sahen die 400 Zuschauer eine Mischung aus den wenigen verbliebenen Profis der Abstiegssaison wie Dimitar Rangelov und Felix Geisler,  mehreren Nachwuchs- sowie insgesamt fünf Probespielern.  So klar wie das Ergebnis am Ende ausfiel, ist auch die Tat­sache, dass von den fünf Probe­spielern längst nicht alle zum Kader für die bevorstehende Regionalliga-Saison gehören werden.

Die beste Eigenwerbung konnte Kevin Bönisch für sich machen. Der 24-jährige Offensivspieler von Budissa Bautzen erzielte drei Tore. „Ich würde mich freuen, wenn ich eine weitere Chance bekomme und die Entscheidung für mich ausfällt“, erklärt Bönisch. Mit Danny Breitfelder (22) von den Sportfreunden Lotte und Enis Bytyqi (22/Würzburger Kickers) stellten sich zwei weitere Stürmer vor, die – zumindest fußballerisch – ebenfalls noch in der Pubertät stecken. Der in Lauchhammer geborene Breitfelder spielte schon im Nachwuchs für den FC Energie. In der zurück­liegenden Saison stagnierte seine Entwicklung. Er konnte aufgrund von zwei schweren Verletzungen keine einzige Dritt­liga-Partie für Lotte bestreiten.

Enis Bytyqi wird jede Menge Talent nachgesagt. Bytyqi stammt aus dem Kosovo und zeigte gegen Frankfurt in der 1. Halbzeit einige gute Ansätze als Sturmpartner von Dimitar Rangelov. Der Lohn für das Offensiv-Trio: Bönisch, Breitfelder und Bytyqi sollen in der kommenden Woche weiter in Cottbus trainieren und auch beim nächsten Testspiel am Dienstag beim FSV Brieske/Senftenberg (18.30 Uhr) dabei sein.

Linksverteidiger Ben Meyer hatte als einziger Probespieler bereits seinen Namen auf dem Trikot, was man wohl als Indiz für die bevorstehende Verpflichtung werten darf. Der aktuelle Stand sieht so aus: Energie will Meyer. Und Meyer will zu ­Energie. Zuvor muss jedoch die Vertragslage des 20-Jährigen bei Union Fürstenwalde geklärt werden.

Zu einer echten Pubertät gehören natürlich auch überraschende Dinge. Im Fall von Energie Cottbus darf man wohl den 19-jährigen ­Foday Darboe dazuzählen. Der Stürmer kickt in der 7. Liga bei Landesligist Grün-Weiß Ahrensfelde und wollte sich ebenfalls für einen Vertrag empfehlen. Seine Aussichten –  wohl aussichtslos. Darboe erinnert mit seiner Schnelligkeit zwar ein wenig an Streli ­Mamba, muss aber fußballerisch noch mindestens so viele Dinge lernen wie Mamba, als er vor drei Jahren als Fünftliga-Stürmer in die Lausitz kam.

Mit seinen 56 Jahren ist Frank Eulberg der Pubertät schon seit einigen Jahren entwachsen. Der Co-Trainer saß in Frankfurt zwar wie gewohnt auf der Bank, seine Zukunft ist aber offen. Der Verein will diese Stelle einsparen, Wollitz setzt dagegen weiterhin auf Eulberg. Diese Personalie zeigt, dass noch viele Fragen über dem neuen Team schweben – auf und neben dem Rasen.

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