Energie-Torhüter Kevin Rauhut musste sich am Samstag nach dem 4:3 gegen Fortuna Köln in der Interviewzone des Stadions der Freundschaft an die Wand lehnen und dieses Albtraum-Spiel mit Happy End erst einmal sacken lassen. Der 29-Jährige gab ohne Umschweife zu: „Ich war heute der Fremdkörper der Mannschaft. Das waren wirklich mit die beschissensten 90 Minuten meiner Laufbahn.“

Vor dem Gegentor zum 1:1 hatte er dem Fortuna-Stürmer Hamdi Dahmani den Ball genau auf den Fuß geworfen. Den Elfmeter zum 2:2 verursachte er mit einem Foul an Okan Kurt, als er zu wild aus seinem Tor gestürmt war. Für den Cottbuser Keeper, der danach bei vielen Aktionen wackelte, ein Katastrophen-Spiel.

Trainer Claus-Dieter Wollitz berichtete: „Kevin Rauhut saß in der Halbzeitpause in der Kabine und war völlig am Ende. Wir haben heute auf der letzten Position nicht so viel richtig gemacht.“

Das schätzte auch Rauhut selbstkritisch so ein. Dass Energie in der zweiten Halbzeit verunsichert wirkte und Fehlpass auf Fehlpass produzierte, nahm der Torhüter komplett auf seine Kappe: „Das lag an mir. Da will ich auch niemand anderem die Schuld zusprechen.“

Für Trainer Wollitz hat Rauhuts Katastrophen-Nachmittag einen Grund: „Er ist übermotiviert, das ist ein großes Problem. Er will jedem helfen und identifiziert sich mit dem Club, der Mannschaft und der Region. Er muss aber auch auf sich selbst fokussiert sein, und die Balance finden.“

Gegen Fortuna Köln hatte Rauhut diese Balance völlig verloren und berichtete später: „Im besten Fall schaltest du alles ab. Aber wir sind nicht in ruhigem Fahrwasser, es geht hier um Existenzen. Wenn du dann derjenige bist, der entscheidet, ob hier nächstes Jahr noch jemand arbeiten kann, dann tut das doppelt weh.“

Der späte und extrem glückliche 4:3-Sieg war dann zumindest ein kleiner Trost für den Keeper, der sich bei seiner Mannschaft bedankte: „Wir haben in der Kabine gesagt, dass wir eine Familie sind. Heute kann ich froh sein, dass wir eine starke Familie auf dem Platz gesehen haben. Die hat mich quasi gerettet, die hat den Verein für heute gerettet. Ich bin wahnsinnig dankbar für die Leistung der Jungs, für die aufopferungsvolle Stimmung der Leute.“

Und dennoch weiß auch Rauhut, dass er sich mit der Leistung vom Samstag wohl für den Nervenkrimi im Abstiegskampf wohl vorerst selbst aus dem Rennen genommen hat. Trainer Wollitz, der immer wieder betonte, wie sehr er Rauhut und dessen Art schätze, sagte aber auch: „Im Abstiegskampf darfst du nicht solche Fehler machen. Denn solche Fehler fressen dich auf. Weil es immer weniger Spiele werden.“

Deshalb muss der Trainer vor dem Landespokal-Halbfinale am Dienstag beim Sechstligisten Grün-Weiß Brieselang und dem nächsten Abstiegsendspiel am Samstag in Jena nun erneut die Torwartfrage beantworten. Viel spricht dafür, dass Avdo Spahic, der nach einigen Fehlern seinen Stammplatz verloren hatte, wieder in die Startelf zurückkehrt.

Wollitz gab zu: „Ich habe da eine echte Hausaufgabe. Ich weiß noch nicht, wie ich sie am besten löse.“

Hier gibt es die Stimmen zum Spiel: „Wir sind eine starke Familie“

Bildergalerie Energie feiert den Sieg