Dirk Lottner soll Energie Cottbus aus einer der größten Krisen der Vereinsgeschichte führen. Der 48-Jährige unterschrieb laut Vereinsmitteilung am Freitag in Cottbus einen Vertrag und soll die Mannschaft am Montag übernehmen.
Beim Landespokal-Spiel am Samstag gegen Union Klosterfelde (14 Uhr/LR-Liveticker) wird Tim Kruse die Mannschaft noch einmal betreuen. Laut Vereinssprecher Stefan Scharftenberg-Hecht wird Lottner nicht als Zuschauer im Stadion der Freundschaft dabei sein. Er soll am Montag bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden.
FCE-Sportchef Sebastian König erklärt in der Vereinsmitteilung: „Nach der Freistellung von Sebastian Abt haben wir in den vergangenen Tagen eine Liste mit möglichen Nachfolgern erstellt und viele Gespräche geführt. Im Verlauf dieser Gespräche hat sich schnell herausgestellt, dass die Gedanken und Konzeptionen von Dirk Lottner und dem, was er mit unserem FC Energie vorhat, zusammenpassen. So entwickelte er sich schnell zu unserem klaren Wunschkandidaten für die Position des Cheftrainers.“
Im Dezember 2019 war Dirk Lottner überraschend in Saarbrücken entlassen worden. Die Mannschaft stand auf Rang ein der Regionalliga Südwest und in der dritten Runde des DFB-Pokals.
Im Dezember 2019 war Dirk Lottner überraschend in Saarbrücken entlassen worden. Die Mannschaft stand auf Rang ein der Regionalliga Südwest und in der dritten Runde des DFB-Pokals.
© Foto: Michael Bermel/Eibner-Pressefoto

Lottner hat Erfahrung als Profi

Der einstige Profi, der 119 Erst- und 301 Zweitliga-Spiele bestritten hat, passt ins Anforderungsprofil,  das der Verein zuvor bekanntgegeben hatte: Er ist im Besitz der Fußballlehrer-Lizenz und hat schon Erfahrung als Trainer im Profi-Fußball.
Nach einem kurzen Engagement bei Hansa Rostock in der 3. Liga trainierte er zuletzt den 1. FC Saarbrücken in der Regionalliga West. Er betreute die Mannschaft in 148 Pflichtspielen und schaffte mit Saarbrücken in der Saison 2017/18 die Meisterschaft und die damit verbundene Teilnahme an den Aufstiegsspielen. Dort scheiterten die Saarländer knapp am TSV 1860 München.

Überraschende Entlassung in Saarbrücken

Im Dezember 2019 wurde er überraschend entlassen, obwohl er mit Saarbrücken erneut Tabellenführer war und die Mannschaft in die 3. Runde des DFB-Pokals gebracht hatte.
Nun soll er den FCE aus der Versenkung des Regionalliga-Kellers holen. In den ersten vier Saisonspielen gab es für Energie Cottbus bisher nur einen Sieg. Sportchef König betonte nun: „Wir sind davon überzeugt, dass wir mit ihm als neuem Trainer, seiner weitreichenden Erfahrung als Bundesligaspieler und die nachweislich gute Arbeit bei den bisherigen Trainerstationen unsere Mannschaft zurück in die Spur bringen werden.“

Angebot von Fortuna Köln ausgeschlagen

Lottner äußert sich in der verbreiteten Mitteilung optimistisch: „Die Gespräche mit den Verantwortlichen des FC Energie waren sehr offen und klar, so dass wir uns schnell einig wurden, wie wir uns die konstruktive Zusammenarbeit vorstellen und was wir mit dem Team vorhaben. Das Gesamtpaket mit den Voraussetzungen und sehr guten Bedingungen in Cottbus haben überzeugt.“
Im Mai hatte der 48-Jährige noch ein Angebot des Viertligisten Fortuna Köln ausgeschlagen. Gegenüber dem „Express“ begründete der gebürtige Kölner damals, warum er nicht zu seinem Heimatverein zurückkehrte: „Man muss oben mitspielen können. Und das Wesentliche als Trainer im Blick behalten können. Scouting, Sportdirektor, vieles wäre an mir hängen geblieben. Es war nicht so, dass ich sage: Das mache ich jetzt. Der einfachste Weg wäre gewesen zu sagen: Los gehts.“
Er verdeutlichte: „Hier bei Fortuna hab ich kurze Wege, hab meine Familie, Geld, meine Freunde. Aber das ist nicht mein Ansporn. Das hat nicht Priorität in meiner Entwicklung. Die Zeit vom Kölschen Jung ist vorbei. Das habe ich in Rostock gezeigt und zuletzt dreieinhalb Jahre in Saarbrücken. Ich will den nächsten Schritt gehen.“ Der hat ihn nun in die Lausitz geführt.