Nach dem Abstieg gibt es normalerweise ein Kommen und Gehen. Bei Energie Cottbus ist es derzeit jedoch ein Gehen und Gehen. Denn das Gerüst der Mannschaft fällt nach dem Abstieg aus der 3. Fußball-Liga von Tag zu Tag mehr auseinander. Neuzugänge sind bislang Fehlanzeige.

„Wir ­führen viele Gespräche und haben inzwischen mehrere Vertragsangebote verschickt“, erklärt FCE-­Trainer Claus-Dieter Wollitz auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Er ergänzt mit Blick auf die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: „Es wird ein echtes Brett, eine Mannschaft zusammenzustellen, die um den Aufstieg mitspielen kann.“

Diese „Mission Wiederaufstieg“ hat der Verein als Ziel für die kommende Spielzeit in der Regionalliga Nordost ausgegeben. Präsident ­Werner Fahle räumte jedoch kürzlich auch eine Finanz­lücke ein und sprach gegenüber dem rbb von ­„einer Zahl, die doch schon etwas größer ist“. Zudem lehnte in dieser Woche die Stadt Cottbus die Bitte des Vereins ab, jährlich einen Investitions- und Unterhaltszuschuss von 500 000 Euro für das Stadion der Freundschaft zu gewähren.

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Energiedienstleister EnviaM wird den FC Energie Cottbus weiter unterstützen. Das Unternehmen habe den Sponsoringvertrag für die Spielzeit 2019/2020 zu gleichen Kondition wie in der 3. Liga verlängert, teilte der FCE am Freitag mit.

„Wir sind dem FC Energie Cottbus seit 2001 als Sponsor eng verbunden und mit dem Klub durch alle Höhen und Tiefen gegangen. Deshalb ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, den Verantwortlichen in schwierigen Zeiten den Rücken zu stärken und damit auch ein Signal für den Nachwuchs zu setzen, dem Verein die Treue zu halten“, sagte der ­EnviaM-Vorstandsvorsitzende Stephan Lowis. Besonders die Nachwuchsmannschaften sollen dabei gefördert werden. In der kommenden Saison werden die A- und B-Junioren in der Bundesliga antreten. Die Lausitzer setzen darauf, dass ­einige Talente künftig den Sprung ins Profiteam schaffen.

Zudem hat sich EnviaM an der ­Aktion #Einmalvollmachenbitte beteiligt. Das Unternehmen fördert das fiktive Heimspiel des Vereins gegen die Bedeutungslosigkeit im Stadion der Freundschaft mit dem Kauf von 100 Tickets. Bis Freitagnachmittag waren 5724 Karten verkauft.

Wie das künftige Gesicht des Teams aussieht, ist indes ­völlig  offen. Mit Philipp Knechtel und Luke Hemmerich gibt es zwei weitere Abgänge zu verzeichnen.  Knechtel, der zuletzt immer wieder von Verletzungen geplagt war, wechselt zu Regionalliga-Konkurrent Germania Halberstadt. Luke Hemmerisch hat seinen Vertrag bei Erzgebirge Aue aufgelöst und wechselt zum Drittligisten Würzburger Kickers. ­Während Knechtel alle Energie-Nachwuchsteams durchlief, wechselte Hemmerich im Januar auf Leihbasis von Aue nach Cottbus.

Damit haben inzwischen acht Profis neue Arbeitspapiere bei anderen Clubs unterschrieben. Nachwuchstalent Leon Schneider könnte folgen. Für den 18-Jährigen liegen Anfragen aus der 2. Liga vor. Gültige Verträge haben inklusive Schneider derzeit nur nur sechs Spieler: Andrej Startsev, Paul Gehrmann, Niklas Geisler, Moritz Broschinski und Abdulkadir Beyazit.

Der Aufbau der neuen Mannschaft steht schon jetzt unter Zeitdruck. Neuzugänge dürften vor ­allem aus der Regionalliga Nordost kommen. Erklärtes Ziel des Vereins ist es, den Kern des neuen Teams bis zur Mitgliederversammlung am 14. Juni beisammen zu ­haben. Am 19. Juni – also in knapp zwei ­Wochen – startet dann die Saisonvorbereitung (siehe Infobox).

Eine wichtige Rolle beim Neuaufbau spielen der bisherige Ka­pitän Dimitar Rangelov und Abwehrchef Robert Müller. Laut Wollitz wurde an Rangelov ein Vertragsangebot verschickt. Zudem ist der FCE-Coach mit dem Berater von Müller in Kontakt. Dass der Innenverteidiger bisher noch nicht bei einem anderen Club unterschrieben hat, darf man zumindest als vages ­Hoffnungs­signal werten.

Auch mit Daniel Stanese würde Wollitz gern verlängern. Der Mittelfeldspieler kam im vergangenen Sommer nach Cottbus, konnte aber aufgrund einer langwierigen Ver­letzung sein Leistungsvermögen nicht wirklich ­unter Beweis stellen. Auch Felix Geisler hat ein neues Angebot vorliegen. Mit Fabian Graudenz soll dagegen nicht verlängert werden.