Von Jan Lehmann

Nach der 1:2-Nieder­lage von Energie Cottbus bei Carl Zeiss Jena herrscht in der Lausitz wieder ­große Alarmstimmung. Sechs Spieltage vor Saisonschluss droht dem FCE der erneute Absturz aus der 3. Fußball-Liga in die Regionalliga – weil der Trend gegen die Mannschaft von Trainer Claus-­Dieter Wollitz spricht und der Coach am Samstag wegen einer DFB-Sperre auch noch auf die Tribüne muss.

Aus den zurückliegenden fünf Begegnungen gab es für den Aufsteiger nur einen einzigen Sieg – und das 4:3 gegen Fortuna Köln war durchaus etwas glücklich. Denn erst der Freistoß­hammer von Fabian Holthaus in der 80. Minute brachte die Wende zugunsten des FCE.

Dabei schienen die Lausitzer nach der Winterpause und den insgesamt vier Neuzugängen im Januar die Trendwende zu schaffen. Doch nach dem 3:2-Auswärtssieg beim Halleschen FC am 13. März konnte Energie in keiner der folgenden fünf Partien komplett überzeugen.

Speziell die schwache Leistung in Jena gibt nun neue Rätsel auf. Trainer Wollitz berichtet: „Dieser Auftritt hatte sich in der Trainingswoche überhaupt nicht angedeutet. Ich hatte nicht erwartet, dass uns so etwas in den letzten sieben Spielen noch einmal passiert.“ Sein ernüchtertes Fazit lautet: „Für den Abstiegskampf in der 3. Liga reicht es nicht aus, wie wir in der zweiten Halbzeit gespielt ­haben.“

Keine Frage: Die jüngsten Auftritte machen Sorgen. Zumal Energie ausgerechnet in den Duellen gegen die direkte Konkurrenz im Abstiegskampf viel zu viele Punkte hat liegen lassen – zum Beispiel bei den Niederlagen in Zwickau und zuletzt eben in Jena.

Ein Blick auf die Formkurve zeigt: Nur zwei Teams haben in den vergangenen fünf Spielen weniger als Energie gepunktet! Im Gegenteil: ­Einige Rivalen im Tabellenkeller wie Zwickau, Aalen oder Großaspach hingegen legen im Schlussspurt richtig los. Selbst Carl Zeiss Jena glaubt nach dem Sieg gegen Cottbus wieder an die Rettung. Kapitän René Eckardt frohlockt: „Wir haben den Glauben, Hoffnung holt man sich mit solchen Siegen zurück. Jetzt wollen wir auch in Rostock gewinnen.“ FCE-Profi Tim Kruse bedauert indes: „Wir haben Jena wieder Leben eingehaucht.“

Die Hoffnung bei den Konkurrenten wächst. Aber was ist bei Energie? Präsident Werner Fahle gab in der RUNDSCHAU aus: „Gegen ­Kaiserslautern gilt: Jetzt erst recht!“ So halten es auch die Spieler. Routinier Kruse weiß, dass sein Team am Samstag gegen den Absteiger aus der Pfalz dringend die Trendwende schaffen muss: „Wir müssen alles raushauen, damit wir die Punkte, die wir in Jena haben liegen lassen, wiederholen.“ Auch Kevin Weidlich betont: „Jetzt müssen wir am Samstag gewinnen.“

Dass Trainer Wollitz wegen der Vorfälle in Zwickau vom DFB ein Innenraumverbot für diese Partie bekommen hat, macht die Sache noch schwerer. Wollitz darf eine halbe Stunde vor Spielbeginn bis eine halbe Stunde nach Spielende keinen Kontakt zur Mannschaft aufnehmen.

Auch die Konstellation am bevorstehenden Spieltag ist bedrohlich. In den direkten Duellen zwischen Braunschweig und Großaspach sowie Aalen und Lotte werden einige ­Kellerkinder definitiv punkten. ­Wollitz, der versucht hatte, seiner Mannschaft schon direkt nach Spielende noch auf dem Rasen im Ernst-Abbe-Sportfeld wieder ­Zuversicht einzuimpfen, betont: „Wir werden noch einmal eine Chance bekommen. Ich hoffe, dass wir sie dann besser nutzen.“

Davon ist Kapitän Dimitar Rangelov überzeugt: „Ich bin mir sicher, dass wir das Potenzial haben, in der Liga zu bleiben. Das ist aber auch eine Frage des Glücks.“ Am Samstag können die Cottbuser ihres eigenen Glückes Schmied sein. Ein Heimsieg gegen Kaiserslautern taugt durchaus als Trendwende im Kampf um den Klassenerhalt.