Von Jan Lehmann

Manchmal kann man Mitleid sogar messen – zumindest in diesem speziellen Fall. Mehr als 100 neue Mitglieder hat Energie Cottbus seit dem bitteren Abstieg aus der 3. Fußball-Liga zu verzeichnen – und steht derzeit bei 3112 Mitgliedern. Ein beträchtlicher Anteil der neuen Unterstützer stammt dabei ausgerechnet aus Braunschweig, also vom direkten Konkurrenten im so dramatischen Abstiegsfinale der 3. Liga. Sebastian Berge, beim FCE unter anderem für die Mitgliederbetreuung verantwortlich, berichtet: „Wir haben dazu auch Nachrichten bekommen, in denen die Leute beschreiben, wie leid ihnen dieser Spielverlauf getan habe.“

In einem hitzigen Spiel mit einer strittigen Elfmeter-Entscheidung für Gastgeber Braunschweig war Energie im ausverkauften Eintracht-Stadion nicht über ein 1:1 hinausgekommen. Wegen eines fehlenden Tores stiegen die Cottbuser ab, und die Niedersachsen blieben stattdessen in der 3. Liga.

Pressesprecher Stefan Scharfenberg-Hecht erklärt: „Wir haben ohnehin schon viele Unterstützer und Mitglieder über die Republik verteilt, weil viele ehemalige Lausitzer noch ihre Verbindungen in die Heimat haben. Über diesen besonderen Zuspruch aus Braunschweig freuen wir uns natürlich sehr.“

Auch beim Verkauf der Tickets für das fiktive Benefizspiel seien etliche Karten nach Braunschweig gegangen, so Scharfenberg-Hecht. 5864 Karten hat der Verein bisher für die Partie, die niemals stattfinden wird, verkauft. Beim FCE erhofft man sich ein ausverkauftes Stadion der Freundschaft und setzt dabei sogar auf ausländische Unterstützung. Dafür wurde der Aufruf für dieses Spiel mit dem Schlagwort #EinmalVollmachenBitte auf der Vereinshomepage auch auf Englisch (#FillItToTheRim) und Polnisch (#Prosimyopełnetrybuny) übersetzt.