Am Ende eines bewegten Fußballjahres staunte Energie Cottbus noch einmal über sich selbst. „Wenn man vor der Saison gesagt hätte, dass wir gegen Rostock sechs Punkte holen, dann hätte sicher jeder ungläubig den Kopf geschüttelt“, erklärte Lasse Schlüter nach dem 2:0 (1:0)-Auswärtssieg des Aufsteigers. Im Hinspiel im eigenen Stadion hatte sich der FCE sogar mit 3:0 gegen die mit Aufstiegs-Ambitionen in die 3. Fußball-Liga gestarteten Norddeutschen durchgesetzt.

Vor allem aber feierte Energie am Samstag gemeinsam mit den gut 1000 mitgereisten Fans. Und zwar  die Tatsache, dass man nach dem ersten Spiel der Rückrunde nun auf einem Nichtabstiegsplatz überwintert. „Dieser Sieg ist ein schönes Weihnachtsgeschenk. Wir wollten unbedingt gewinnen, um über dem Strich zu bleiben. Jetzt können wir positiv ins neue Jahr starten“, sagte Torschütze Lars Bender nach dem letzten Auftritt vor der Winterpause.

Bender hatte die Gäste in der 37. Minute mit einem Sonntagsschuss ins lange Eck in Führung gebracht. Für den 2:0-Endstand ­gegen über weite Strecken enttäuschende Hanseaten sorgte dann Routinier Dimitar Rangelov (64.). Allerdings profitierte der FCE auch von einem verschossenen Foulelf­meter der Gastgeber in der 1. Halbzeit. „Der Elfmeter war sicher die Schlüsselszene. Da hatten wir das nötige Glück, das du brauchst, um zu ­punkten. Spätestens mit dem 1:0 war das Momentum dann auf unserer Seite“, analysierte Trainer Claus-Dieter Wollitz.

Unter dem Strich war dieser wichtige Auswärtsdreier vor 20 000 Zuschauern im Ostseestadion allerdings alles andere als glücklich für Wollitz und sein Team. Wegen der anhaltenden Verletzungssorgen speziell im Mittelfeld wurde das ­taktische System erneut geändert. Das neue 3-3-3-1 mit dem erst 18-jährigen Leon Schneider brachte diesmal die nötige Stabilität, nachdem Wollitz zuletzt mehr mannschaftliche Geschlossenheit auf dem Rasen gefordert hatte. „Es war eine kleine Reaktion, aber auch nicht mehr“, meinte er. „Immer dann, wenn der Ball schnell lief und wir Fußball gespielt haben, sah es gut aus. Wenn wir es mit Einzel­aktionen versucht haben, kriegen wir Probleme.“ Große Probleme gibt es auch in Rostock, wo Trainer Pavel Dotchev um seinen Job bangen muss. „Der negative Trend hat sich leider fortgesetzt. Wir alle sind sehr enttäuscht“, räumte er ein.

Energie hat dagegen das wichtigste Ziel erreicht – einen Nichtabstiegsplatz. Dass die Mannschaft mit einem positiven Gefühl in die Pause geht, könnte sich beim Wiederbeginn der 3. Liga Ende Januar als enorm wertvoll erweisen. „Wir haben jetzt etwas ruhigere Tage als bei einer Niederlage“, freute sich Lasse Schlüter über den ersten Dreier nach zuvor fünf Partien ohne Sieg.

Erleichterung ja, Euphorie nein – mit dieser gemischten Gefühlslage verabschiedete sich auch Claus-­Dieter Wollitz in die Weihnachtsfeiertage: „Der Sieg war fast schon lebensnotwendig, wenn man die anderen Ergebnisse sieht. Es bleibt trotzdem ein knallharter Kampf. Nur, wenn wir diesen Kampf so annehmen wie gegen Rostock, können wir bestehen.“