Von Jan Lehmann
und Nicolaj Stobbe

Nachdem die Zerschlagung der Regionalliga Nordost wohl vom Tisch ist, plädiert man bei Fußball-Drittligist Energie Cottbus weiter für eine Aufstockung der 3. Liga. FCE-Geschäftsführer Karsten Sachs, der am Dienstag bei dem Treffen der Vereinsvertreter der Drittligisten mit Funktionären der Regionalligen Nord, Nordost und Bayern dabei war, erklärte auf RUNDSCHAU-Nachfrage: „Wir haben im Rahmen des Treffens unsere Position abermals deutlich gemacht, dass wir als FC Energie ein Modell mit 22 Mannschaften und fünf Absteigern in der 3. Liga für die optimale und kurzfristig umsetzbare Variante halten.“ Bisher sind 20 Mannschaften in der 3. Liga im Einsatz – seit dieser Saison gibt es  vier Absteiger.

Sachs berichtet von unterschiedlicher Resonanz bei dem Treffen in Landsberg/Peißen: „Hierzu war unter den Anwesenden einerseits Zustimmung, aber auch Skepsis zu vernehmen. Abgestimmt wurde darüber nicht.“

Dass Energie laut Sachs sich gegen eine Zerschlagung der Regionalliga Nordost ausgesprochen und dementsprechend auch abgestimmt habe, ist keine Überraschung. Die Cottbuser hatten sich schon vorab als einziger der 20 aktuellen Drittligisten so geäußert.

Die quälende Debatte um die Aufstiegsregel geht nun weiter. Das klare Votum des Regionalliga-Gipfels gegen die Zerschlagung der Regionalliga Nordost stieß bei den Clubs nicht nur auf Zustimmung. Vor allem der Beschluss, dass die Meister aus Nord, Nordost und Bayern zwei Aufsteiger unter sich ausmachen müssen, sorgte weiter für Unmut.

„Es kann doch nicht sein, dass der Westen und der Südwesten zwei sichere Aufsteiger haben – und wir müssen uns um die Plätze prügeln“, sagte Chris Förster, Geschäftsführer von Carl Zeiss Jena gegenüber „Bild“. In der Tat sollen der Westen und Südwesten von der Reform weitgehend unbehelligt bleiben und weiter je einen Aufsteiger stellen.

Noch ist unklar, wie die neue Aufstiegsrunde aussehen soll. „Deswegen ist diese Lösung, die gefunden wurde, keine gute, aber unter allen schlechten die mit Abstand beste“, sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch dem MDR nach dem Gipfel.

Gelöst ist damit noch nicht das Problem, das die ganze Reform ins Rollen gebracht hatte: Nämlich eine Veränderung dahin, dass jeder der fünf Regionalliga-Meister automatisch aufsteigt. „Das ist keine optimale Lösung, diese ist aber auch schwer zu finden“, äußerte Sven-Uwe Kühn, Sprecher der 3. Liga im DFB-Spielausschuss.

Gerettet haben die Regionalliga-Vertreter bei ihrem Vorgehen aber wohl den Fortbestand der Regionalliga Nordost, dessen Zerschlagung eigentlich im Vorfeld schon eingeleitet worden war. Das Ergebnis sei dann auch unterm Strich positiv, weil die Liga „mit all den Nebenwirkungen, die für den nordostdeutschen Fußball wichtig sind“, erhalten bleibe, sagte Auerbachs Boss Volkhardt Kramer.

Die wirtschaftlichen Folgen wären für viele Klubs aus dem Nordosten verheerend, wenn sie in Zukunft in der Bayernliga oder im Norden antreten müssten. Die lukrativen Derbys fielen weg, zudem würden die Kosten für die Auswärtsfahrten enorm steigen.

Ob der Vorstoß des Gipfels nun durchgesetzt wird, ist aber fraglich. „Bindend ist nur, was der DFB-Bundestag beschließt. Aber es war sportpolitisch wichtig, dass wir diese Positionen entwickelt haben“, sagte Koch. Der DFB-Bundestag tagt im September.