Seinen ganz persönlichen Plan hat sich Claus-Dieter Wollitz schon zurechtgelegt. Man könnte diesen Plan für das Spiel von Fußball-Drittligist Energie Cottbus beim VfL Osnabrück in etwa so zusammenfassen: Bloß keine ­Emotionen bei der Rückkehr an die Bremer ­Brücke aufkommen lassen!

Entsprechende Fragen nach seinem Gefühlszustand beantwortet der 53-jährige Coach auch bei der Pressekonferenz am Donnerstag auffallend nüchtern. Ob er sich trotz der Beurlaubung im Mai 2013 zumindest ein wenig auf Osnabrück freut? „Nach der Ankunft werde ich wie immer noch einige Zeit in der Kabine bleiben, irgendwann werde ich zum Fernseh-Interview geholt. Dann spielen wir, anschließend gehe ich zur Pressekonferenz“, sagt Wollitz vor der Partie an diesem Samstag um 14 Uhr (LR-Liveticker, rbb live). Und er ergänzt: „Nach dem Spiel setze ich mich in den Bus zu meiner Mannschaft. Ich möchte überhaupt keine Emotionen reinbringen.“

Emotionen auf dem Rasen sind dagegen ausdrücklich erwünscht. Wollitz ist jedenfalls „zutiefst davon überzeugt, dass wir auch am Samstag gewinnen können“. Den Beweis für solche außergewöhnlichen Leistungen in Auswärtsspielen lieferte der Aufsteiger beim 2:0-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern. Allerdings konnten damals die inzwischen verletzten Tim Kruse und Marcelo mitwirken. Ob Kapitän Marc Stein nach seinem Nasenbeinbruch nun in Osnabrück schon wieder spielen kann, ist sehr fraglich. Immerhin kann er mit einer Maske trainieren. Damals in Kaiserslautern zeigte Energie genau jene Qualitäten, die auch am Samstag in Osnabrück gefragt sind. Das Team war in der Defensive mit fünf Abwehrspielern perfekt organisiert und startete immer wieder gefährliche Konter.

Wollitz macht jedoch keinen Hehl daraus: Das Team befindet sich nach wie vor in der Anpassungsphase an die neuen Gegebenheiten in der 3. Liga. Beim souveränen Titelgewinn in der Regionalliga Nordost setzte der FCE stets auf Ballbesitz-Fußball und Dominanz. In der 3. Liga sind aber vor allem die Qualitäten im Umschaltspiel gefragt. Der VfL Osnabrück ist mit genau dieser Taktik an die Tabellenspitze gestürmt und hat trotz oftmals maximal 40 Prozent Ballbesitz schon vier Punkte Vorsprung auf Preußen Münster sowie den Karlsruher SC.  „Sie treten sehr geschlossen auf und machen das, was in der 3. Liga entscheidend ist: Sie spielen mit wenig Ballbesitz. Das ist nicht sonderlich spekta­kulär, aber die Ergebnisse sind spektakulär“, analysiert Wollitz den VfL.

Und dahin will auch der FCE-­Coach mit seinem Team kommen. Auf dem Umschaltspiel liegt ein wichtiger ­Trainingsschwerpunkt. „Wir haben das Problem, dass wir aus zwei Jahren extremer Dominanz  mit viel Ballbesitz kommen. Wir müssen alles umstellen – mit dem gleichen Personal. Das geht nicht von heute auf morgen“, erklärt Wollitz. Um beim Tabellenführer erfolgreich zu sein, wird Energie wieder so einen Sahnetag brauchen wie in Kaiserslautern. In diesem Fall würden wohl dann auch Wollitz die Emotionen übermannen. Bis dahin will er sich zügeln – so wie geplant.

Aber Wollitz kennt auch Wollitz und meint deshalb: „Ich hoffe, dass ich mich nicht provozieren lasse.“

Bildergalerie Nach der Rückkehr aus Bielefeld hält er eine emotionale Wutrede vor einigen Fans und übt scharfe Kritik am Vereinsvorstand. Das etwa drei Minuten lange Handy-Video gelangt ins Internet und wird sogar im ZDF-Morgenmagazin ausgestrahlt. Er sei ein Gerechtigkeitsfanatiker und habe einige Dinge einfach nicht mehr auf sich beruhen lassen können, erklärt Wollitz.