Von Jan Lehmann

So nah dran war Energie Cottbus lange nicht: Mit einem Sieg im Jenaer Stadtteil Paradies hätte der FCE erstmals seit zehn Spieltagen aus der Abstiegshölle der 3. Liga klettern können.  Stattdessen aber hängen die Lausitzer nach der unerklärlich schwachen Leistung bei der 1:2-Niederlage bei Carl Zeiss Jena weiter auf Tabellenrang 18 fest. Energie-Profi Kevin Weidlich erklärte frustriert: „Wir haben einen Matchball vergeben.“

Dabei hatte sogar der Fußballgott dem FCE ziemlich deutlich zugeblinzelt und Carl Zeiss ein spektakuläres Tor geklaut. Der Fernschuss von Jenas Manfred Starke (37.), der von der Lattenunterkante hinter die Torlinie und dann wieder ins Feld zurückgesprungen war, hätte der Wendepunkt im Cottbuser Abstiegskampf sein können. Das Schiedsrichtergespann ließ trotz wilder Proteste der Thüringer die Partie weiterlaufen. Jens René Eckardt berichtete: „Man denkt dann: ,Da kannst du nichts machen, dann verlierst du halt solche Spiele.‘“

Energie hatte also den Gegner moralisch am Boden, den Fußballgott im Rücken – und die sich zeitgleich anbahnende Niederlage der Sportfreunde Lotte gegen Uerdingen ließ die Nichtabstiegszone immer näher rücken. Fast schon eine paradiesische Situation für den FCE. Was dann passierte, war jedoch unerklärlich. Energie beendete schlichtweg den Abstiegskampf und Trainer Claus-Dieter Wollitz befand ernüchtert: „Mit der Leistung der 2. Halbzeit hast du keinen Anspruch, zu gewinnen. Das war die schwächste Halbzeit in der bisherigen Rückrunde. Es hat in allen Bereichen gefehlt, Körpersprache, Laufbereitschaft, Zweikampfwerte.“

Nach dem frühen Rückstand durch einen Treffer von Maximilian Wolfram (5.) hatte Energie schnell ins Spiel gefunden und den Ausgleich durch das Eigentor von Justin Gerlach (11.) regelrecht erzwungen. Das Cottbuser Kombinationsspiel war wieder ins Laufen gekommen, der FCE strahlte über kurze Zeit wieder die inzwischen gewohnte Dominanz im Mittelfeld aus. Jena hatte Probleme und taumelte am Rande des Abstiegs, den eine Niederlage gegen Cottbus für die Thüringer wohl bedeutet hätte.

Dann kam Starkes Lattenknaller und alles änderte sich: Jena spielte fortan mit dem Mute der Verzweiflung, freilich ohne spielerisch zu überzeugen. Dass der Siegtreffer durch Philipp Tietz (77.) einem unberechtigten Elfmeter entsprang, war bezeichnend für das extrem schwache Niveau dieser  Partie. Trainer Wollitz konstatierte nach der klaren Schwalbe von Dominik Bock: „Der Schiri weiß dann selbst, dass er in dieser Szene niemals auf Elfmeter entscheiden kann. Aber wir sind selber, selber, selber schuld.“

Seine Mannschaft hatte im zweiten Abschnitt kaum nennenswerte Offensivaktionen und blieb vor 1300 mitgereisten Lausitzer Anhängern vieles schuldig. Tim Kruse gab zu: „Wir waren immer unterlegen, ob bei den Zweikämpfen oder bei den zweiten Bällen. Da kommt dann dieses Ergebnis leider zustande. An dem Elfmeter hat es nicht gelegen.“

Entsprechend groß ist der Frust der Cottbuser, die am Samstag im Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern wohl auf Torhüter Kevin Rauhut verzichten müssen. Der Keeper wurde in der Halbzeitpause mit Verdacht auf Muskelfaserriss ausgewechselt, Avdo Spahic präsentierte sich danach im Tor allerdings sehr gefestigt.

Kapitän Dimitar Rangelov hofft nun auf einen Heimerfolg. Er begründete die Niederlage in Jena mit die Spielstil der Gastgeber: „Wir haben große Schwierigkeiten gegen solche Mannschaften, die fast gar keinen Fußball spielen. Die spielen mit langen Bällen ohne Plan, alles andere ist Zufall.“ Der Bulgare glaubt: „Uns liegen die Gegner mehr, die versuchen, Fußball zu spielen.“

Das ist eine vage Hoffnung, konkreter ist dagegen die Aussicht, dass mit der Rückkehr des in Jena gesperrten Daniel Bohl wieder mehr Willenskraft ins Cottbuser Team zurückkehrt. Und die benötigt Energie dringend, denn die Situation im Abstiegskampf bleibt nach der Niederlage im Paradies höllisch gefährlich.

Reaktionen nach der Energie-Niederlage in Jena (mit VIDEOS) „Maßlos enttäuscht ist untertrieben“

Jena