Von Jan Lehmann

Dieser Pressschlag musste sein. Jonas Zickert ließ sich nicht beirren, als sein tschechischer Gegenspieler von Sparta Prag mit Tempo auf ihn zukam. Der Cottbuser zog durch, der Ball flog weg, der Gegner auch ein bisschen. Zickert indes schüttelte sich nur kurz und spielte unbeeindruckt weiter. Eine Szene für den Seelenfrieden des ehemaligen Schülers der Lausitzer Sportschule – und wohl auch für jene unter den Energie-Fans, die sich noch immer den Durchbruch des einstigen Talents wünschen.

Das Knie hält, Zickert ist zurück. Mit der RUNDSCHAU wollte der 21-Jährige nach seinem 45-minütigen Comeback beim 0:2 gegen den tschechischen Rekordmeister am Samstag zwar noch nicht sprechen, ließ aber auf der Internetseite des FC Energie verlauten: „Das war ein guter Härtetest gegen eine sehr gute Mannschaft und vor einem tollen Publikum im Stadion.“

Ein Kreuzbandriss am 8. Mai 2016 im Drittliga-Spiel bei Rot-Weiß Erfurt, der in jenen tragischen Cottbuser Abstiegstagen fast ein bisschen untergegangen war, hatte Zickert für zweieinhalb Jahre fast komplett außer Gefecht gesetzt. Zwar versuchte sich der Mittelfeldspieler immer mal wieder an einem Comeback, doch erst spielte die Muskulatur und dann das Knie nicht mit. Insgesamt kam er seither nur noch auf acht Regionalliga-Spiele und einen dreiminütigen Kurzeinsatz in dieser Saison im September im Heimspiel gegen Großaspach. Zickert musste kurz darauf aber erneut am Knie operiert werden, so richtig auf dem Zettel hatte man das Cottbuser Eigengewächs deshalb nicht mehr.

Umso überraschender kam dann das Comeback gegen Prag, und das auch noch auf einer überraschenden Position. Trainer Claus-Dieter Wollitz bot Zickert als Rechtsverteidiger auf und erklärte gleich nach dem Spiel, dass dies keine Position für den einsatzfreudigen Mittelfeldspieler sei. Der FCE-Coach begründete: „Es ging nur darum, dass er Spielpraxis bekommt. Ich kenne ihn auf der Sechs, auf der Doppelsechs, auf der Acht. Mit seiner Intensität geht er dort meistens über den Punkt.“ Das wollte Wollitz gegen Prag noch verhindern, die Rechtsverteidigerposition war quasi der Schonposten für Zickert.

Der Trainer verdeutlichte: „Jonas hat derzeit keinerlei Beschwerden. Wenn wir es schaffen, ihn verletzungsfrei zu behalten und er so Anfang oder Mitte März richtiger Bestandteil der Mannschaft wäre, dann würde er uns gerade im Abstiegskampf mit seiner Intensität im Spiel gegen den Ball sehr weiterhelfen.“ Es wird klar: Wollitz schätzt Zickert, der mit seiner Körperhaltung auf dem Spielfeld immer ein bisschen an einen Boxer erinnert. Der Trainer lobt die besonderen Qualitäten des gebürtigen Cottbusers: „Das ist dann Abstiegskampf, das ist 3. Liga, das ist ein Stück Stadion der Freundschaft.“

Und dort will Zickert so schnell wie möglich auch wieder bei Punktspielen auf dem Rasen stehen. Der 21-Jährige ist zuversichtlich und sagte: „Ich fühle mich sehr gut, das Knie fühlt sich stabil an und nun möchte ich angreifen und um einen Platz im Team kämpfen. Dafür werde ich alles geben.“