Berührungsängste kennt Sven Michel bei seiner Ankunft in der Hauptstadt nicht. „Meine Frau heißt Rebecca, meine Tochter Lena und mein Hund heißt Rico. Und Rico wird in diesem Jahr zehn Jahre alt“, berichtete der neue Stürmer von Fußball-Bundesligist 1. FC Union Berlin den Journalisten bei seiner ersten Medienrunde bei den Eisernen in Köpenick – obwohl zuvor eigentlich nur nach dem Namen seiner Ehefrau gefragt worden war.
Sven Michel (31) wechselte am letzten Tag der Winter-Transferfrist vom Zweitligisten SC Paderborn zu Union Berlin. Er war in Paderborn der Zweitliga-Topscorer in der laufenden Saison. Michel stellte sich am Dienstag nach der Übungseinheit des Bundesliga-Tabellenvierten gut gelaunt den Fragen der Journalisten. Man spürt: Der SC Paderborn war eine Herzensangelegenheit für Sven Michel – die große fußballerische Liebe. Und ist es immer noch. Aber auch die neue Herausforderung Union Berlin geht Michel mit demselben Engagement an, das ihn auch auf dem Platz auszeichnet. Er sei sofort „sofort Feuer und Flamme“ gewesen, als der Anruf der Eisernen kam.

Sven Michel stellt sich bei Union Berlin vor

Sven Michel über seine ersten Tage in Berlin: „Der Wechsel hat sich ja sehr kurzfristig ergeben. Deshalb war alles schon ziemlich turbulent. Aber als die ersten Anrufe kamen, war ich sofort Feuer und Flamme. In der Nacht zu Montag bin ich dann nach Berlin gefahren. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen. Es macht Riesenspaß, mit den Jungs Fußball zu spielen.“
Sven Michel über seine Zeit beim SC Paderborn: „Ich habe definitiv ein weinendes Auge in Paderborn gelassen. Mein Herz schlägt immer noch für Paderborn. Ich werde auch weiterhin die Spiele verfolgen, sofern es möglich ist. Ich hatte dort meine ersten Bundesliga-Einsätze – ich hatte eine Bombenzeit in Paderborn. Dennoch: Ich habe jetzt hier ein neues Kapitel aufgeschlagen und werde mich für den Verein zerreißen.“

Sven Michel und Energie Cottbus

Sven Michel über seine Zeit bei Energie Cottbus: „Ich war unfassbar gern in Cottbus. Meine Frau und ich haben uns dort sehr wohlgefühlt. Genau wie jetzt aus Paderborn fiel uns auch schwer, aus Cottbus wegzugehen. Aber damals war ich ja auch etwas jünger als jetzt. Deshalb habe ich dann die sportliche Herausforderung in Paderborn gesucht. Und jetzt bin ich wieder zurück im Fußball-Osten.“
Sven Michel über sein Debüt für Union Berlin in Augsburg: „Aufgeregt? Nein, aufgeregt war ich nicht. Ich bin zu alt, um aufgeregt zu sein. Aber Vorfreude war natürlich da. Ich bin mit dem ersten Spiel ganz zufrieden. Wenn der eine Torschuss von mir aufs Tor gegangen wäre, hätte ich mich noch ein wenig mehr gefreut. Aber ich denke, an die Leistung kann ich anknüpfen.“
Sven Michel über seine Stärken: „Ich bin ein sehr robuster Spieler, habe gute Laufwege in die Schnittstellen. Und ich kann auch die Bälle festmachen. Ich denke, dass ich mit diesem Paket und auch meinem linken Fuß der Mannschaft sehr gut weiterhelfen kann. Union Berlin und ich – das kann gut klappen.“
Sven Michel über die Aussage von Torsten Mattuschka, dass er ganz schnell zum Fanliebling avancieren werde: „Ach ja, der ,Tusche‘! Ganz klar, ich werde mir für den Verein den Hintern aufreißen. Und ich hoffe natürlich auch, dass ich den Weg in die Herzen der Fans finde. Aber das muss ich mir erst verdienen. Und ich will so schnell wie möglich damit anfangen.“

Erstes Heimspiel gegen Borussia Dortmund

Sven Michel über sein erstes Heimspiel im Stadion An der Alten Försterei gegen Borussia Dortmund: „Die Vorfreude bei mir ist riesig. Bisher durfte ich immer nur gegen Union Berlin in diesem Stadion spielen. Und das war schon Gänsehaut pur. Jetzt darf ich für Union spielen. Darauf freue ich mich.“
Sven Michel über den Gegner am Sonntag: „Borussia Dortmund hat trotz der jüngsten Niederlage eine Bombenmannschaft. Da kommt eine Gewalt auf uns zu. Diese Gewalt gilt es zu verteidigen. Wir müssen unser Spiel durchdrücken. Mit den Fans im Rücken ist alles möglich.“
Sven Michel über seine Familie und die Wohnungssuche in Berlin: „Meine Frau und ich sind derzeit auf Wohnungssuche. Ich bin vor vier Wochen Papa geworden. Dank ,Tusche‘ haben wir jetzt erstmal eine kleine Wohnung zur Verfügung. Berlin hat viele schöne Ecken. Wir werden auf jeden Fall was Schönes finden. Meine Frau heißt Rebecca, meine Tochter Lena und mein Hund heißt Rico. Und Rico wird in diesem Jahr zehn Jahre alt.“

Sven Michel – der etwas andere Fußballprofi

Sven Michel stand insgesamt fünf Jahre beim SC Paderborn unter Vertrag. 2019 stieg Michel mit dem SCP in die 1. Bundesliga auf.
Von 2014 bis 2016 spielte Sven Michel für Energie Cottbus in der 3. Liga.  2014 hatten ihn die Cottbuser Fans zum „Energie-Fußballer des Jahres“ gewählt. In Erinnerung geblieben ist Michel den Fußballfans in der Lausitz aber nicht nur mit seiner engagierten Spielweise, sondern auch durch seinen tränenreichen Abschied im Mai 2016, als Energie Cottbus zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den Gang in die Viertklassigkeit antreten musste.
„Es ist unfassbar, was passiert ist. Ich kann mich nur im Namen der Mannschaft entschuldigen“, rief Michel damals am 14. Mai 2016 nach dem entscheidenden Spiel gegen den FSV Mainz 05 II (2:3) über das Stadionmikrofon den Fans zu und konnte dabei seine Tränen nicht zurückhalten.
Neben dem Fußballplatz mag es Sven Michel eher beschaulich. Am liebsten ist er draußen in der Natur. Und er hat eine Leidenschaft für Kräuter. Beim SC Paderborn wurde er deshalb in der Mannschaft scherzhaft schon mal „Miraculix“ gerufen.
Außerdem hat Michel gemeinsam mit einem Freund ein Start-up gegründet, mit dem er selbst entwickelte Sportsocken („Svax“) vertreibt.