Die Antwort kam schnell. Wie aus der Pistole geschossen. Doch mit Pistolen sollte man bekanntlich nicht nur bei großen Gefühlen vorsichtig sein. „Mir geht es super“, antwortete Claus-­Dieter Wollitz auf die Frage der RUNDSCHAU nach der 1:3 (0:1)-Niederlage von Energie Cottbus beim VfL Osnabrück. Und ein Spiel der großen Gefühle war die Rückkehr des 53-jährigen Coaches in das Stadion an der Bremer ­Brücke am Samstag allemal.

Claus-Dieter Wollitz traf auf ­seine einstige große Liebe – körperlich, akustisch und natürlich vor allem emotional. Wie präsent der einstige VfL-Spieler und -Trainer nach wie vor in Osnabrück ist, zeigte der Gesang des lila-weißen Anhangs. ­„Wollitz hat gesagt, wir steigen auf“, skandierten die Fans der Niedersachsen immer wieder voller Inbrunst während der 90 Minuten.

Dazu muss man wissen: Dieser  Gesang stammt aus der Saison 2012/13, als Wollitz den VfL Osnabrück beinahe in die 2. Liga geführt hatte. Damals gab er den Fans in der Tat dieses Aufstiegs-Versprechen, was diese umgehend gesang­lich ver­arbeiteten. Einen Spieltag vor Schluss endete in der Saison aber die Liebe von Wollitz zum VfL – und wahrscheinlich auch umgekehrt. Wegen seiner Kritik am Vereinsvorstand, die per Handykamera gefilmt und im Internet verbreitet wurde, musste der Coach gehen.

Ausgerechnet bei seiner Rückkehr an die Bremer Brücke hat der Osnabrücker Anhang nun den damaligen Tribünen-Hit wieder aufleben lassen. Für Wollitz war es in jedem Fall ein hochemotionaler Nachmittag, auch wenn der FCE-Trainer partout keinerlei Gefühlsregung aufkommen lassen wollte. Vor dem Spiel kam er nur für das obligatorische Fernseh-Interview kurz aus der Kabine. Den Rasen betrat er mit gesenktem Kopf, seine Mütze tief ins Gesicht gezogen. Wollitz hatte keinen Blick für einstige Wegbegleiter im Stadion. Bei der Vorstellung der Gäste-Mannschaft wurde sein Name mit Pfiffen bedacht. 2009 hatten ihn die VfL-Anhänger noch zum „Jahrhundert-Trainer“ gewählt.

Auch während des Spiels war dann emotionale Schwerstarbeit für Claus-Dieter Wollitz angesagt. Er sei von Zuschauern, die direkt hinter der Cottbuser Bank saßen, permanent beleidigt worden, erklärte der Coach später. „Sie haben mich 95 Minuten lang beleidigt und beschimpft. Das war unterste Schublade, unwürdig, das Unterste vom Untersten“, beklagte Wollitz. „Ich wollte sie fast fragen, ob sie sich nicht lieber das Fußballspiel anschauen wollen. Aber ich hatte ja das Ziel, mich nicht provozieren zu lassen. Das ist mir gelungen.“

Viel mehr als diesen kleinen persönlichen Erfolg gab es für Energie Cottbus in diesem Spiel nicht zu holen. Dazu war die Leistung in der 1. Halbzeit zu dürftig – lethargisch und ohne Inspiration. Mit dem einzigen Gegentor von Marc Heider in der 29. Minute waren die Gäste in dieser Phase noch gut bedient. In der deutlich besseren 2. Halbzeit kassierte Cottbus dann zwei Kontertore durch Manuel Farrona Pulido (83.) und Sebastian Klaas (88.). Mehr als der zwischenzeitliche Anschlusstreffer von Fabio Viteritti (87.) gelang vor 10 212 Zuschauern nicht.

„Wir haben zunächst alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Mit den Pfiffen gegen meine Person kann ich leben. Viel mehr enttäuscht bin ich über die Art und Weise, wie wir in der 1. Halbzeit gespielt haben“, bilanzierte Wollitz, bevor er in den Mannschaftsbus stieg, wo ihn ein paar Fans hinter der Absperrung noch einmal unflätig beschimpften.

Am kommenden Samstag gibt es für den Energie-Trainer bereits das nächste Wiedersehen. Cottbus trifft dann auf den KFC Uerdingen. Bei den Krefeldern war Wollitz ebenfalls als Spieler und Trainer unter Vertrag. Dieses Wiedersehen findet allerdings in deutlich angenehmerer Atmosphäre statt – denn Energie und Wollitz haben Heimspiel im Stadion der Freundschaft.

Bildergalerie Abdulkadir Beyazit frustriert nach dem 1:3 in Osnabrück.

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