Von Frank Noack und Jan Lehmann

Keine Frage, für Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz wird das Cottbuser Drittliga-Spiel am Samstag beim VfL Osnabrück (14 Uhr/LR-Liveticker) eine Reise in die Vergangenheit – und gleichzeitig ein Duell mit der Gegenwart. Die verkörpert bei den Lila-Weißen inzwischen Trainer Daniel Thioune, der mit Osnabrück überraschend an die Tabellenspitze geklettert ist.

Wollitz gegen Thioune – ein interessantes Duell. Beide haben in ihrer Zeit den VfL Osnabrück maßgeblich geprägt. Claus-Dieter Wollitz (53) war von 1989 bis 1993 für die Lilaweißen aktiv. In 141 Partien hat der offensive Mittelfeldspieler 43 Tore erzielt. Später kehrte er als Coach zurück und wurde nach erfolgreichen Jahren anlässlich das 110-jährigen Bestehens von den Fans sogar zum „Jahrhundert-Trainer“ gewählt.

Der aus Georgsmarienhütte in der Nähe von Osnabrück stammende Daniel Thioune (44) trug von 1996 bis 2002 das VfL-Trikot. 170 Spiele und 65 Tore lautet die Bilanz des ehemaligen Stürmers. Nun ist es die zweite Saison als Cheftrainer bei den Profis für Daniel Thioune. Anfang Oktober 2017 trat er die Nachfolge von Joe Enochs an, der inzwischen beim FSV Zwickau tätig ist.

Viel mehr als die Vergangenheit beim VfL verbindet Wollitz und Thioune allerdings nicht. Thioune steht nach 15 Spieltagen mit Osnabrück an der Tabellenspitze der 3. Liga. Wollitz, der mit Energie auf Platz zwölf steht und den Klassenerhalt anstrebt, sagte am Dienstag in Sachen Thioune: „Ich finde es gut, dass der Verein nach dem sportlich schwierigen Jahr an ihm festgehalten hat.“ Er betonte: „Wenn man einem Trainer, der zuvor im eigenen Nachwuchs gearbeitet hat, das Vertrauen ausspricht, dann muss man auch mal so eine Phase überstehen.“ Ansonsten fehle auch ihm die Verbindung zu seinem Gegenüber. Nostalgische Gefühle bei der Rückkehr von Wollitz an die Bremer Brücke? „Nein“, versicherte derweil Daniel Thioune gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Ich freue mich auf jedes Spiel an der Bremer Brücke, unabhängig davon, welcher Übungsleiter am Spielfeldrand steht.“

Den Spieler Thioune unter dem Trainer Wollitz – das gab es übrigens nicht. Als Wollitz im Jahr 2004 als Coach an die Bremer Brücke kam, wechselte Thioune gerade vom VfB Lübeck zu LR Ahlen.

Daniel Thioune absolvierte 2016 den Fußballlehrer-Lehrgang – also neun Jahre nach Claus-Dieter Wollitz. Obwohl beide ihren Job an der Seitenlinie mit viel Selbstbewusstsein interpretieren, gibt es nicht viele Gemeinsamkeiten. Thioune bevorzugt den sachlichen Umgang, Wollitz steht für Leidenschaft und Emotionen.

Die einzige Überschneidung gab es 2012/13, als der damalige Trainer-Neuling Thioune im Nachwuchsleistungszentrum des VfL Osnabrück tätig war. „Pele hat einen guten Job gemacht in Osnabrück. Wir hatten gute Jahre unter ihm. Ich habe ihn aus der Distanz verfolgt. Aber uns verbindet relativ wenig, außer die Identifikation mit dem Verein“, erklärt Daniel Thioune. „Ich glaube, den VfL mag er immer noch.“

Eine Einschätzung, die er womöglich bei der Lektüre der RUNDSCHAU am morgigen Donnerstag noch einmal überdenken wird. Dann spricht Wollitz über seinen unrühmlichen Abgang in Osnabrück, die Rückkehr ins Stadion an der Bremer Brücke und seine Gefühle für den VfL.