Das erste Spiel des Jahres ist für Energie Cottbus ein ganz besonderes: Wenn der FCE am Samstag den tschechischen Rekordmeister AC Sparta Prag (14 Uhr/LR-Liveticker) empfängt, geht natürlich der erste Blick in Richtung Spielfeld: Sind schon die ersten sportlichen Auswirkungen der von Trainer Claus-Dieter Wollitz angekündigten Veränderungen im Team erkennbar?

Darüber hinaus lohnt sich auch ein Blick auf die Zuschauertribünen. Dort hat sich mit Helmar Rendez der Vorstandsvorsitzende der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) angekündigt – und mit ihm werden viele weitere Angestellte des Energiekonzerns erwartet. Und das aus gutem Grund: Schließlich ist die tschechische EPH-Gruppe (Energetický Prumyslový Holding), die 2016 die Lausitzer Braunkohle von Vattenfall mit der Leag übernommen hat, eng mit dem Prag Fußballclub verbunden. EPH-Mehrheitseigentümer Daniel Kretinsky ist zugleich Präsident des AC Sparta. Durch diese Verbindung gibt es seit vergangenem Jahr eine Kooperation zwischen beiden Clubs im Nachwuchsbereich. Die könnte auch auf den Männerbereich ausgebaut werden. FCE-Präsident Werner Fahle sagt allerdings: „Wir stehen gerade erst am Anfang und sicherlich kann es beiderseitig von Interesse sein, wenn so etwas perspektivisch möglich wäre.“

Die Leag als FCE-Sponsor unterstützt jedenfalls diese Zusammenarbeit. Vorstandschef Rendez betont: „Es freut mich, dass neben der unternehmerischen Verbundenheit zwischen EPH und Leag auch eine sportliche zwischen Sparta Prag und dem FCE entstanden ist. Mit Sparta Prag kommt internationales Flair in die Lausitzmetropole, das hoffentlich auch bei den derzeit widrigen Wetterbedingungen viele Zuschauer ins Stadion lockt. Die Leag steht fest an der Seite von Energie Cottbus und wird als starker Partner weiterhin aktiv sein.“ Das Unternehmen hatte im Sommer den Sponsorenvertrag verlängert.

Der FC Energie hat die Begegnung gegen Sparta Prag als „Freundschaftsspiel mit Fingerzeig“ angekündigt. Auf der Vereins-Homepage wird nicht ohne Pathos um Zuschauer geworben: „Gemeinsam wollen wir am 12. Januar eine Brücke zwischen regionalem Verantwortungsbewusstsein und dem Lausitzer Fußball schlagen. Jeglicher Witterung zum Trotz soll ein gut gefülltes Stadion der Freundschaft einen würdigen Rahmen für ein Fußballspiel mit Außenwirkung bieten, dessen Einnahmen in das Nachwuchsleistungszentrum des Vereins fließen werden“, heißt es dort.

Zwischen diesen pathetischen Zeilen dieser Vereinsmitteilung kann man lesen: Bei Energie hofft man weiterhin darauf, dass der tschechische Milliardär Kretinsky sich für ein größeres finanzielles Engagement im deutschen Fußball interessieren könnte. Der „Fingerzeig“ ist wohl auch für ihn gedacht. Der Verein schreibt: „Vielleicht begeistern #WIR zusammen die verantwortlichen Personen nicht nur von den wirtschaftlichen Aspekten unserer Region, sondern auch von unserem FC Energie. Denn es heißt heute und zukünftig – ohne Kohle, keine Energie.“ Diese Kohle könnte Kretinsky ­liefern. Der zurückgetretene FCE-Präsident Michael Wahlich hatte im vergangenen Sommer die Kooperation mit Sparta ziemlich unverblümt erläutert: „Möglicherweise kann diese zukunftsträchtige Partnerschaft noch zu weitaus mehr dien­lich sein, denn der Eigentümer des Klubs ist ja bekanntlich nicht ganz arm. Insoweit kann man hoffen, dass sich da noch was anbahnt.“

„Nicht ganz arm“ bedeutet im Fall von Daniel Kretinsky ein geschätztes Vermögen von 2,6 Milliarden Dollar. Das amerikanische Magazin Forbes stufte Kretinsky auf Platz 924 der Weltrangliste der reichsten Menschen der Welt ein, in Tschechien steht er demnach auf Rang zehn dieser Rangliste.  Doch der „Kohlebaron“, wie ihn die „Wirtschaftswoche“ unlängst im Zuge von Kretinskys Übernahme von Anteilen am Metro-Konzern betitelte, soll kein allzu großer Fußballfan sein. Der „Tagesspiegel“ schreibt, das Kretinsky sein finanzielles Engagement im Sport damit begründet habe, ein bekannter Name wie Sparta Prag vermittle „den Eindruck großer finanzieller Stärke seines Eigentümers“.

Welchen Eindruck der Name Energie Cottbus auf Kretinsky macht, ist indes noch nicht bekannt. Der FCE sollte jedenfalls am Samstag versuchen, auf dem Rasen und auch auf den Rängen ordentlich Eindruck zu schinden, um Kretinsky zu verdeutlichen, dass der ehemalige Erstligist durchaus eine interessante Adresse für ihn sein könnte. Das interne Ziel dürfte zumindest sein, besser als beim letzten Aufeinandertreffen beider Teams auszusehen: Am 18. Juli 2015 kassierte Energie im Stadion der Freundschaft eine 2:6-­Niederlage gegen Sparta.