Von Frank Noack

Pflichtaufgabe erfüllt, in der Tabelle etwas Boden gutgemacht: Energie Cottbus hat mit dem 4:1 (1:1) bei Optik Rathenow den ersten Auswärtssieg in der Regionalliga-Saison 2019/20 geholt. Durch diesen Dreier kletterte der FCE auf Platz zehn, hat aber bereits acht Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Hertha BSC II. Fader Beigeschmack: Felix Geisler verletzte sich kurz nach seiner Einwechslung schwer, er musste mit Verdacht auf Kreuzbandriss sofort wieder raus.

Die Gäste dominierten am Montagabend unter Flutlicht in Rathenow vor allem in der ersten Halbzeit die Partie, vergaben dabei aber wie schon in den vergangenen Wochen viele Torchancen.

Vor 823 Zuschauern ging der Tabellenvorletzte aus Rathenow durch Süleyman Kapan in der 17. Minute überraschend in Führung. Felix Brügmann erzielte im Gegenzug den 1:1-Ausgleich (18.). Nach der Pause entschied Dimitar Rangelov mit einem Doppelack in der 60. und 73. Minute die Partie. Der eingewechselte Abdulkadir Beyazit besorgte den 4:1-Endstand (87.).

Für Energie war das Gastspiel in Rathenow ein schmerzhafter Blick in die Vergangenheit. Das letzte ­Duell gegen das Amateurteam aus dem Havelland gab es im Mai im Landespokal-Finale. Der FCE gewann damals zwar durch einen Treffer von Streli Mamba mit 1:0. Es war gleichzeitig der letzte Auftritt des letztjährigen Drittliga-Teams, das auseinanderbrach.

Am Montagabend beim Wiedersehen in Rathenow stand mit Kapitän Dimitar Rangelov nur noch ein einziger Profi der ehemaligen Mannschaft in der Startelf. Der am Freitag verpflichtete Niclas Erlbeck gab sein Debüt im Energie-Trikot. Er bildete gemeinsam mit Tobias Eisenhuth die Mittelfeld-Zentrale.

Weitere Neuzugänge gab es bis zum Ende der Transferperiode am Montag nicht. Dies hatte Trainer Claus-Dieter Wolliz am Freitag noch in Aussicht gestellt, allerdings einmal mehr auf die schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen hingewiesen. Der FCE kann weiterhin Spieler unter Vertrag nehmen. Die Bedingung: Sie müssen arbeitslos sein.

Die Rathenower kämpfen auch in dieser Saison wieder um den Klassenerhalt. Und mit  Süleyman Kapan haben sie einen echten Torjäger in ihren Reihen. Mit seinem schönen Heber über Torhüter Lennart Moser hinweg, stellte er in der 17. Minute allerdings den Spielverlauf auf den Kopf.

Denn bereits in der Startphase traten die Gäste aus der Lausitz sehr dominant auf und gingen mit viel Tempo in dieses Auswärtsspiel. Im Mittelfeld liefen viele Aktionen über Neuzugang Niclas Erlbeck. Der schnelle Ausgleich durch einen schönen Kopfball von Felix Brügmann ins lange Eck nach Flanke von Moritz Broschinski (18.) war der Lohn für Energie vor etwa 200 mitgereisten Fans.

In der 34. Minute hatte Cottbus dann Pech, als ein als Flanke geplanter Ball von Marcel Hoppe an den Innenpfosten klatschte. Kurz danach scheiterte Berkan Taz freistehend an Optik-Keeper Lucas Hiemann (37.). Aufregung gab es dann noch einmal kurz vor der Pause, als Torhüter Lennart Moser weit aus dem Kasten geeilt war und beim Rettungsversuch den Ball möglicherweise leicht mit der Hand berührte. Er kassierte dafür die gelbe Karte und nicht Rot, wie Optik-Trainer Ingo Kahlisch vehement forderte.

Die Dominanz der ersten 45 Minuten schien der FCE in der Halbzeitpause aber irgendwie in der Umkleidekabine vergessen zu haben. Denn die Partie wurde jetzt ausgeglichener und vor allem wilder. Mit einem Freistoß sorgte Dimitar Rangelov nach genau einer Stunde trotzdem für das 2:1.  Der Kapitän nahm nur einen kurzen Anlauf, schaute sich die Ecke aus und schlenzte den Ball ins Netz. Ein tolles Tor! Mit dem 3:1 (73.) machte Rangelov den Doppelpack sowie den Pflichtsieg perfekt. Auch beim Treffer von Beyazit hat er großen Anteil. Der eingewechselte Angreifer musste nach der Rangelov-Vorlage nur noch den Fuß an den Ball halten (87.).

Statistik:

Optik Rathenow: Hiemann – Wilcke, Turan, Aydogdu, Zingu – Hellwig (46. Bilbija), Leroy, Langner – Kapan, Özcin (75. Sakran), Jürgens (66. Adewumi)

Energie Cottbus: Moser (RUNDSCHAU-Note 3) – Borgmann (3), Zickert (3), Koch (3), Hoppe (3) – Eisenhuth (3), Erlbeck (2) – Broschinski (3), Brügmann (3/86. Beyazit), Taz (3/88. F. Geisler/89. N. Geisler) – Rangelov (2)

Tore: 1:0 Kapan (17.), 1:1 Brügmann (18.), 1:2 Rangelov (60.), 1:3 Rangelov (73.), 1:4 Beyazit (87.); Zuschauer: 823; Schiedsrichter: Steffen Hösel (Magdeburg); Gelbe Karten: Kahlisch / Moser, Eisenhuth, Borgmann