Auf Spiele wie das 2:0 von Energie Cottbus gegen Bischofswerda kann man mit zwei verschiedenen Brillen blicken. Eine, die das Resultat sieht und den Weg zum selbigen im Moment des Abpfiffs schon wieder vergessen hat. Und eine, die den Fußball im Wortsinn als Spiel versteht, in dem es doch immer irgendwie auch um das schöne und unterhaltende Element geht. Die Brille von Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz wollte am Sonntag nicht nur ein Ergebnis sehen, sondern „eine Mannschaft, die miteinander spielen will“, wie er sagt. Doch diese Mannschaft suchte Wollitz vergeblich von seiner Coaching-Zone aus. Zum wiederholten Male machte der FCE seine Vorteile gegenüber einem unterlegenen Gegner nur selten deutlich. Und deshalb holt Wollitz zum Rundumschlag aus.

„Ich bin kein Ergebnis-Trainer“, sagt er. „Ich möchte sehen, wie weit die Mannschaft ist. Und die Mannschaft ist weiter als das, was sie gegen Bischofswerda gezeigt hat.“ In einer Phase, in der es sportlich so gut läuft für Energie wie schon lange nicht mehr, in der Cottbus seit zehn Ligaspielen nicht mehr verloren, die zurückliegenden sechs allesamt gewonnen und sich in der Regionalliga auf den 3. Platz vorgearbeitet hat, können Wollitz‘ Aussagen auf den einen oder anderen womöglich etwas überzogen wirken. Doch Wollitz hält nicht viel von derlei Pragmatismus. Wenngleich er weiß, dass die Tabelle für Spektakel keine Extrapunkte ausweist, interessiert er sich auch für die B-Note. „Es geht gar nicht immer ums Ergebnis“, sagt er. Wenn man mehrere tausend Zuschauer im Stadion habe, „dann geht es auch um die Art, wie man spielt. Und damit bin ich nicht einverstanden. Ich weiß, dass solche Spiele dazugehören. Und ich weiß auch, dass es nicht immer einfach ist, wenn der Tabellenletzte kommt. Trotzdem müssen wir einen anderen Anspruch an uns haben.“ Und so hat Energie Cottbus im Herbst 2019 zwar keine Ergebniskrise – aber zumindest eine kleine Erlebniskrise.

Energie Cottbus überzeugt auch gegen Bischofswerda nicht Energie im Herbst 2019: Wenig Glanz, viel Gloria

Cottbus

Durch eine solche sind drei Ligen höher auch die Bayern von Trainer Niko Kovac gegangen in den letzten Wochen. Immer wieder musste sich Kovac rechtfertigen für die Auftritte seines uninspirierten Starensembles­, konnte bei seinem Plädoyer aber wenigstens noch die Ergebnisse als Argument für sich ins Feld führen, die bis dahin stimmten. Bis es am vergangenen Spieltag auch damit vorbei war und er selbst nach der 1:5-Niederlage bei Eintracht Frankfurt seinen Job verlor.

Damit Energie Cottbus am Samstag beim Tabellensechsten FSV Union Fürstenwalde kein ähnliches Waterloo erlebt wie die Münchener, mimt Wollitz nun den Spielverderber. „Ich möchte nicht, dass wir von Sieg zu Sieg gehen und uns dabei schwer tun. Bayern hat auch mühevoll gewonnen gegen Union und Bochum, und in Frankfurt gibt es auf einmal eine Klatsche.“

Wollitz weiß, dass seine Mannschaft den Lauf nur beibehalten kann, wenn sie auch spielerisch wieder an ihr Limit kommt.  „Ich habe keine Lust, jede Woche immer alles zu kaschieren. Wir sind gut, aber wir sind nicht so gut, dass wir alles im Vorbeigehen schaffen“, sagt er. „Die Mannschaft kann einiges erreichen. Aber wenn jemand glaubt, dass diese Mannschaft schon so weit ist, Erster zu werden, dann muss ich einfach einschreiten. Wir brauchen Esprit, Fantasie und Temperament auf dem Platz. Und bei uns plätschert das so dahin.“ In Fürstenwalde will Wollitz durch seine Brille wieder ein anderes Energie Cottbus sehen.

Regionalliga Nordost Energie Cottbus - Bischofswerda