So richtig „unter die Räder“, wie es Trainer Claus-Dieter Wollitz formulierte, geriet Energie Cottbus bei seiner Harzreise nur ein einziges Mal: auf der chaotischen Anfahrt zum Regionalliga-Spitzenspiel bei Wacker Nordhausen. Denn die Lausitzer trafen erst eine Dreiviertelstunde vor dem Anpfiff im Albert-Kuntz-Sportpark ein – jeder Kreisligist kommt im Normalfall pünktlicher an.

Trotz der Irrfahrt durch die teilweise gesperrte Innenstadt von Nordhausen setzte sich der FCE am Sonntagnachmittag mit 2:1 (2:1) durch und holte drei wichtige Punkte in der Fußball-Regionalliga-Nordost. „Wenn man weiterkommen will im Fußball, muss man auch die wichtigen Spiele gewinnen. Und das war heute ein wichtiges Spiel“, bilanzierte Trainer Claus-Dieter Wollitz nach der dramatischen Partie vor 1520 Zuschauern. In der Tabelle ist der FCE zwar weiterhin Fünfter, schloss aber zu Nordhausen auf.

Energie Cottbus legt Bilderbuchstart hin

Dabei hätten sich die Gäste diese Dramatik eigentlich ersparen können, ja eigentlich sogar müssen. Denn sie legten trotz der verspäteten Anreise einen Bilderbuchstart hin, der in spielerischer Hinsicht das Beste war, was die neu formierte Mannschaft in dieser Saison abgeliefert hat. Axel Borgmann traf bereits in der 5. Minute per Distanzschuss zur Cottbuser Führung. In der 19. Minute schloss Felix Brügmann einen tollen Konter zum 2:0 ab. Es war bereits der achte Saisontreffer für den Torjäger.

„In der ersten halben Stunde haben wir ein überragendes Spiel gezeigt. Nordhausen wusste gar nicht, was Sache ist“, erklärte Brügmann. Und Trainer Wollitz lobte: „Die ersten 30 Minuten waren außergewöhnlich. Da haben wir trotz des morastigen Bodens klasse Fußball gespielt und zu Recht geführt.“

Von Wacker Nordhausen kaum was zu sehen

In der Tat war von den Gastgebern um Neuzugang Jan Löhmannsröben vom 1. FC Kaiserslautern fast nichts zu sehen. Spielerisch kam die erste halbe Stunde einer Machtdemonstration von Energie Cottbus gleich. Wacker-Coach Heiko Scholz meinte fassungslos: „Die erste Halbzeit war eine absolute Katastrophe, da hat die komplette Mannschaft versagt.“

Der 1:2-Anschlusstreffer durch Felix Müller kurz vor der Halbzeitpause war zwar eher ein Zufallsprodukt, machte die Partie aber wieder „heiߓ, wie Wollitz die nun folgende Abwehrschlacht seiner Mannschaft zusammenfasste. Und spätestens nach dem Platzverweis von Tobias Hasse in der 51. Minute kochte der Albert-Kuntz-Sportpark. Zumal sich die Gäste mit vielen Fouls im Mittelfeld selbst den Spielfluss raubten.

Energie Cottbus jubelt über „dreckigen Sieg“

Nordhausen steigerte sich nun zumindest in kämpferischer Hinsicht und drängte auf den Ausgleich.  Aber FCE-Torhüter Lennart Moser hielt jeden Ball und damit auch die wichtigen Punkte in diesem Spitzenspiel fest. „Wir haben uns vorgenommen, den Sieg trotz der roten Karte nicht aus der Hand zu geben. Wir haben hart dafür gekämpft, es war ein dreckiger Sieg“, jubelte der überragende Cottbuser Keeper danach.

Energie spielte eine überragende erste halbe Stunde, der Rest war aufopferungsvoller Kampf und auch etwas Glück in der einen oder anderen Situation. Trainer Claus-Dieter Wollitz freute sich zwar über den Dreier, kritisierte aber gleichzeitig, dass seine Mannschaft die Kontrolle über dieses Spiel aus der Hand gegeben hat. Mindestens genauso störte Wollitz die chaotische Anreise. „Aus meiner Sicht ist das keine professionelle Vorbereitung", sagte Wollitz. "Wenn man ambitioniert ist, dann muss man dafür sorgen, dass man zu so einem Spiel einen Tag früher anreisen kann."

Stimmen zum Spiel (Mit Video) „Nordhausen wusste nicht, was Sache ist“

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